Ein Konzern, der mehr verdient als erwartet, und trotzdem beim eigenen Sparprogramm nachlegt — das wirkt zunächst widersprüchlich. Bei Swiss Re ergibt es Sinn: Der Preisverfall im Kerngeschäft zwingt den Rückversicherer, an anderer Stelle gegenzusteuern.
Geringere Schäden treiben den Gewinn
Im ersten Halbjahr 2026 verdiente Swiss Re 2,8 Milliarden US-Dollar — neun Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Grund liegt weniger im operativen Geschäft als im Zufall der Natur: Großschäden aus Katastrophen blieben ungewöhnlich niedrig. Konzernchef Andreas Berger sieht das Unternehmen damit auf Kurs für einen Jahresgewinn von mindestens 4,5 Milliarden Dollar.
Die Börse honorierte die Zahlen mit einem moderaten Kursplus. Die Aktie legte um 0,7 Prozent auf 137,20 Franken zu und zählte damit zu den stärkeren Werten im Schweizer Leitindex SMI. Seit Jahresbeginn steht nun ein Plus von gut drei Prozent zu Buche.
Preisdruck frisst an der Substanz
Der eigentliche Belastungsfaktor zeigt sich im Detail der Vertragserneuerungen. Bei den Verlängerungen zum Juni und Juli sanken die nominalen Preise im Schaden- und Unfallgeschäft um 1,2 Prozent. Rechnet man Inflation und veränderte Risikoeinschätzungen mit ein, fällt der reale Rückgang mit 5,3 Prozent deutlich schärfer aus. Über alle Erneuerungen seit Jahresbeginn summiert sich der Rückgang auf 4,6 Prozent.
Der Trend trifft die gesamte Branche. Neben Swiss Re müssen auch Munich Re und Hannover Rück im Geschäft mit Erstversicherern wie Allianz und AXA Preisabschläge hinnehmen — nach Jahren, in denen hohe Katastrophenschäden die Konditionen in die andere Richtung trieben. Der Konzernumsatz aus dem Versicherungsgeschäft schrumpfte parallel um drei Prozent auf knapp 20,3 Milliarden Dollar. Dass der Gewinn trotzdem in allen drei Sparten stieg, lag vor allem an der schadenarmen Entwicklung in Rückversicherung und Industriegeschäft.
Als Antwort auf den anhaltenden Preisdruck schärft Swiss Re sein Sparprogramm nach. Bis 2028 sollen die Betriebskosten nun um 500 Millionen Dollar sinken — deutlich mehr als die zuvor für 2027 anvisierten 300 Millionen. Der verschärfte Kostenkurs signalisiert, dass der Konzern nicht darauf setzt, dass sich die Preise im Kerngeschäft von selbst erholen.
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