Analysten setzen Bewertung aus

Die Aktie der SynBiotic SE hat am Freitag im Handelsverlauf ein neues Rekordtief markiert und schloss bei 0,6210 Euro, was einem Kursverlust von 9,3 Prozent entspricht. Der jüngste Einbruch markierte den dritten Handelstag in Folge mit Verlusten für das Papier des Cannabis-Unternehmens. Parallel zum fallenden Kurs ging das Handelsvolumen deutlich zurück; Medienberichten zufolge wurden am letzten Handelstag der Woche lediglich rund 6.000 Anteile gehandelt.

Auslöser für den verstärkten Verkaufsdruck ist eine grundlegende Änderung der fundamentalen Einschätzung durch den Kapitalmarkt. Analyst Christian Sandherr vom Analysehaus NuWays stufte das Rating für SynBiotic am 24. August auf „Under Review“ herab.

Zuvor hatten die Experten noch eine Kaufempfehlung für den Titel ausgesprochen. Da der Investment-Case durch die jüngsten Ereignisse innerhalb des Konzerns massiv beeinträchtigt wurde, setzt das Analysehaus die Bewertung sowie das Kursziel vorerst aus, bis neue belastbare Daten zur künftigen Ausrichtung vorliegen.

Restrukturierung belastet Beteiligungsportfolio

Hintergrund der negativen Kursentwicklung ist eine Insolvenzwelle innerhalb der Unternehmensgruppe. Die Krise verschärfte sich bereits vor gut drei Wochen, als SynBiotic bekannt gab, die konzerninterne Finanzierung für zwei wichtige Tochtergesellschaften zur Liquiditätssicherung einzustellen. In der Folge kündigten die SOLIDMIND Group GmbH und die Lean Labs Pharma GmbH an, Anträge auf Eröffnung von Insolvenzverfahren stellen zu wollen. Dieser Schritt markiert eine Fortsetzung der operativen Probleme, die bereits im Dezember 2025 mit der Zahlungsunfähigkeit der österreichischen Tochtergesellschaft Bushdoctor ihren Anfang nahmen.

Im Zuge dieser Entwicklung hat SynBiotic damit begonnen, verlustbringende Einheiten wie die Hanf Farm und die Hemp Factory abzuwickeln. Auch das Geschäft mit Hanf-Lebensmitteln wurde weitgehend eingestellt.

Das Unternehmen konzentriert sich operativ nun primär auf den Bereich Medizinalcannabis, der durch die Tochtergesellschaft WEECO Pharma abgedeckt wird. Analystenschätzungen zufolge bildet diese Einheit künftig den Kern des verbleibenden Konzerns und wird den überwiegenden Teil des erwarteten Gesamtumsatzes für das Geschäftsjahr 2026 erwirtschaften.

Historischer Tiefstand nach massivem Vertrauensverlust

Für Anleger bedeutet die aktuelle Lage einen massiven Wertverlust. Mit dem Erreichen des neuen Tiefstands vergrößerte sich der Abstand zum 52-Wochen-Hoch, das am 22. Dezember 2025 noch bei 3,90 Euro gelegen hatte, auf minus 84 Prozent. Auch wenn technische Indikatoren eine stark überverkaufte Lage signalisieren, blieben fundamentale Impulse für eine nachhaltige Erholung zuletzt aus.

Die Marktkonsolidierung innerhalb der Gruppe ist noch nicht vollständig abgeschlossen. Während sich SynBiotic durch die Trennung von defizitären Einheiten gesundschrumpfen will, bleibt die Unsicherheit über die künftige Ertragskraft der verbleibenden Kerngeschäftsfelder hoch.

Da wesentliche Teile der ursprünglichen Wachstumsstrategie durch die Insolvenzen weggebrochen sind, warten Marktteilnehmer nun auf konkrete Anzeichen für eine Stabilisierung des operativen Geschäfts bei WEECO Pharma.