T1 Energy steuert auf einen entscheidenden Moment zu. Bis zum Ende des zweiten Quartals muss das Unternehmen ein Finanzierungspaket von 225 Millionen Dollar abschließen — sonst stockt der Bau der Solarfabrik G2_Austin in Texas.
Aktionäre geben grünes Licht für Kapitalmaßnahmen
Auf der Hauptversammlung Mitte Juni stimmten die Aktionäre einer Satzungsänderung zu. Die Zahl der genehmigten Stammaktien verdoppelt sich damit auf eine Milliarde. Der Vorstand hat nun deutlich mehr Spielraum für aktienbasierte Finanzierungen.
Die Märkte reagierten nervös. Nach einem Rückgang von Junihochs über 12 Dollar stabilisierte sich die Aktie zuletzt bei rund 7,90 Euro. Das geplante Paket soll überwiegend aus Fremdkapital bestehen und die verbleibenden Investitionskosten für die 2,1-Gigawatt-Anlage in Austin decken.
Kerngeschäft überraschend profitabel
Abseits der Finanzierungsdebatte lieferte T1 Energy im ersten Quartal 2026 starke operative Zahlen. Der Umsatz stieg um 232 Prozent auf 177,6 Millionen Dollar — ein Rekord. Das Nettoergebnis aus dem laufenden Geschäft erreichte 3,9 Millionen Dollar, das bereinigte EBITDA lag bei 9,1 Millionen Dollar.
Der Gesamtverlust von 21,4 Millionen Dollar klingt auf den ersten Blick beunruhigend. Er stammt jedoch fast vollständig aus aufgegebenen Geschäftsbereichen, die 24,3 Millionen Dollar Verlust beisteuerten. Das Kerngeschäft — die Solarproduktion in Dallas — trägt sich selbst. Begünstigt wird das durch einen wachsenden Anteil an Festpreis- und Cost-plus-Verträgen.
Die G1_Dallas-Anlage erhielt außerdem ein „A“-Rating für Bankfähigkeit vom Prüfinstitut Intertek CEA. Das bestätigt die Qualität der Module und erleichtert den Abschluss großer Versorgungsverträge.
Rechtliche Risiken bleiben ungeklärt
Auf der Risikoseite stehen zwei offene Fronten. Das Research-Unternehmen Fuzzy Panda wirft T1 Energy vor, Verbindungen zu einem sanktionierten Lieferanten zu unterhalten. Das ist heikel: Die US-Steuergutschriften nach Section 45X setzen eine vollständig unabhängige, regelkonforme Lieferkette voraus.
Ferner läuft eine Patentklage von First Solar wegen der TOPCon-Technologie. Beide Verfahren sind ungelöst.
Zukauf soll neues Geschäftsfeld öffnen
Parallel plant T1 Energy den Abschluss der 32-Millionen-Dollar-Akquisition von KORE Power. Das Unternehmen bringt Batteriespeichersysteme und Infrastruktur für KI-Rechenzentren mit. Das Management erwartet, dass KORE bereits 2026 EBITDA-positiv beiträgt — und bis 2027 zwischen 15 und 20 Millionen Dollar EBITDA liefert.
Das Produktionsziel für das Gesamtjahr 2026 hält T1 Energy bei 3,1 bis 4,2 Gigawatt. Ob die Finanzierung für G2_Austin noch vor dem Quartalsende steht, entscheidet maßgeblich darüber, wie glaubwürdig dieser Ausblick bleibt.
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