Der Grand-Theft-Auto-VI-Trailer bricht Rekorde bei Netflix, doch Anleger von Take-Two Interactive schauen derzeit auf einen Kurs, der sich deutlich von seinem Jahreshoch entfernt hat. Die Aktie notierte am Freitag bei 185,20 Euro und liegt damit 20 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch vom Juli. Zwischen medialem Erfolg und Börsenreaktion klafft derzeit eine auffällige Lücke.

Netflix-Premiere bricht Rekorde

Am 27. August veröffentlichten Take-Two und das Tochterstudio Rockstar Games einen erweiterten Blick auf Grand Theft Auto VI exklusiv auf Netflix, sechs Stunden vor der YouTube-Veröffentlichung. Das komplett aus In-Game-Aufnahmen der PS5-Fassung stammende Material erreichte laut Medienberichten binnen weniger Tage mehr als 31 Millionen Aufrufe und dominierte zeitweise sowohl Netflix als auch Twitch.

Firmenchef Strauss Zelnick hatte bereits Mitte August bestätigt, dass sich die Vorbestellungen stärker in Richtung der teureren Ultimate Edition für 99,99 Dollar verschieben als zur Standard-Version für 79,99 Dollar – ein Signal für hohe Zahlungsbereitschaft der Fans vor dem geplanten Marktstart am 19. November.

Analysten bleiben trotz Kursschwäche zuversichtlich

Die Aufmerksamkeitswelle rund um den Trailer fiel mit einer Reihe von Analystenreaktionen Ende August zusammen. JPMorgan bekräftigte am 28. August die Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 368 Dollar und verwies dabei explizit auf die Stärke von GTA VI sowie zusätzliches Potenzial aus der Netflix-Partnerschaft. BMO Capital bestätigte am selben Tag ebenfalls die Kaufeinstufung.

Bank of America äußerte sich am 31. August zurückhaltender: Das Gameplay wirke zwar beeindruckend, dürfte den Kurs aber kaum bewegen. Diese Einschätzung passt zur aktuellen Marktlage – trotz des Trailer-Erfolgs verlor die Aktie in den vergangenen sieben Handelstagen 8,9 Prozent und liegt seit Jahresbeginn 15 Prozent im Minus.

Insider trennen sich von Aktien

Parallel zur medialen Euphorie verkauften mehrere Führungskräfte Anteile. Zelnick veräußerte am 10. August über den Zelnick Belzberg Living Trust 30.000 Aktien zu Kursen zwischen 250,49 und 255,05 Dollar. Direktor Michael Sheresky verkaufte am 17. August im Rahmen eines automatisierten Handelsplans eine kleinere Position, um Steuerverpflichtungen aus vestenden Restricted Shares zu begleichen.

Auch eine weitere Insiderin meldete Anfang September die Absicht, binnen 90 Tagen Aktien im Wert von rund 2,5 Millionen Dollar zu veräußern. Solche Verkäufe folgen häufig festen Plänen und lassen sich nicht automatisch als negatives Signal deuten, fallen aber in eine Phase, in der die Aktie ohnehin unter Druck steht – der Abstand zum gleitenden 50-Tage-Durchschnitt beträgt derzeit 11 Prozent.

Blick auf die kommenden Wochen

Für Anleger rücken nun zwei Termine in den Fokus: die virtuelle Hauptversammlung am 17. September und der Release von GTA VI am 19. November. Bis dahin dürfte die Marketingkampagne weiter anziehen – Morgan Stanley zeigte sich Ende August angesichts des Kampagnenstarts optimistisch für die Aktie.

Ob sich diese Zuversicht in steigenden Kursen niederschlägt, hängt maßgeblich davon ab, ob sich die Vorbestellzahlen in den kommenden Monaten in handfeste Umsatzsignale übersetzen lassen.