JPMorgan streicht Take-Two Interactive von seiner Focus-List. Die Aktie reagiert kaum. Stattdessen klettert der Kurs weiter Richtung Rekordhoch — die Vorfreude auf GTA VI überstrahlt offenbar jede schlechte Nachricht.

JPMorgan-Streichung ohne echte Wirkung

Am 1. Juli 2026 nahm JPMorgan Take-Two von seiner viel beachteten Equity Analyst Focus List. Die Bank ordnete den Schritt als Teil einer größeren Neuausrichtung ihrer Internet-Coverage ein. Mehrere Aktien verloren aus Policy-Gründen ihren Platz auf der Liste, das eigentliche Rating für Take-Two blieb unverändert.

Der Ausschluss ist damit prozedural, nicht fundamental begründet. Trotzdem kann so ein Schritt Stimmung kosten — vor allem, wenn er auf eine Welle von Insider-Verkäufen trifft. In den vergangenen drei Monaten verkauften Insider Aktien im Wert von 135,3 Millionen Dollar.

Die breite Analystengemeinde lässt sich davon nicht beirren. 29 von 30 Analysten stufen Take-Two weiterhin mit „Strong Buy“ ein. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 281,67 Dollar auf Sicht von zwölf Monaten — ein Aufwärtspotenzial von rund 18 Prozent gegenüber den Kursen von Anfang der Woche.

Bank of America sieht mehr Potenzial in GTA Online

Ein Analyst von Bank of America hob sein Kursziel von 320 auf 368 Dollar an. Damit markiert er den höchsten Wert am ganzen Markt. Begründet wird die Anhebung mit besseren Monetarisierungsaussichten für GTA Online.

Befeuert wird der Optimismus von den Vorbestellzahlen. Seit Öffnung der Pre-Order-Phase meldet Take-Two eine ungewöhnlich hohe Nachfrage.

Auch der Optionsmarkt positioniert sich für weitere Kursgewinne. An einem jüngsten Handelstag wechselten bis zum frühen Nachmittag 33.800 Kontrakte den Besitzer — 21.678 Calls standen 12.122 Puts gegenüber. Besonders auffällig: ein Call mit Fälligkeit 17. Juli 2026 und Strike bei 300 Dollar, bei dem 6.810 Kontrakte gegen ein offenes Interesse von nur 842 gehandelt wurden. Das deutet auf Wetten hin, die auf einen deutlichen Kursanstieg Richtung Herbst setzen.

Kurs nahe am Rekord

Die Aktie schloss am Freitag bei 223,20 Euro, nahezu unverändert mit einem Plus von 0,09 Prozent. Die Woche fällt trotzdem stark aus: Auf Sieben-Tage-Sicht steht ein Plus von 6,79 Prozent, über 30 Tage sind es sogar 19,94 Prozent. Bis zum 52-Wochen-Hoch von 225,30 Euro vom 20. Oktober 2025 fehlen nur noch 0,93 Prozent.

Die Rally hat den Kurs weit über seine wichtigsten technischen Marken katapultiert. Take-Two notiert 13,32 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 196,96 Euro und 12,52 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 198,36 Euro. Ein 14-Tage-RSI von 72,9 signalisiert überkaufte Bedingungen, während eine annualisierte 30-Tage-Volatilität von 34,68 Prozent zeigt, wie weit die Erwartungen der Investoren aktuell auseinanderliegen.

Auf Jahressicht bleibt der Anstieg mit 3,96 Prozent moderat, über zwölf Monate steht ein Plus von 9,25 Prozent. Das 52-Wochen-Tief von 159,24 Euro, erreicht am 13. Februar 2026, liegt inzwischen 40,17 Prozent unter dem aktuellen Niveau. Diese Spanne zeigt, wie stark sich die Stimmung für Take-Two in den vergangenen Monaten gedreht hat.

GTA VI bleibt der entscheidende Faktor

Take-Two steckt aktuell in einem Spannungsfeld zwischen vorsichtigen Insidern und unerschütterlicher Analystenüberzeugung. Die Investoren scheinen die JPMorgan-Streichung und die Insider-Verkäufe zu ignorieren. Ihr Blick richtet sich auf ein einziges Datum: den 19. November 2026, den Starttermin von Grand Theft Auto VI.