Take-Two Interactive steuert auf einen entscheidenden Berichtstermin zu. Am 7. August 2026 legt der Publisher vor Börseneröffnung die Zahlen zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 vor – ein Termin, der die Blicke der Anleger auf sich zieht, weil er kurz vor dem für den 19. November 2026 angesetzten Release von Grand Theft Auto 6 liegt.

Q1-Bericht mit erwartetem Gewinneinbruch

Analysten rechnen für das erste Quartal mit einem Gewinn je Aktie von lediglich 0,08 US-Dollar, ein Rückgang von rund 81 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert. Für das gesamte Geschäftsjahr 2027 erwartet der Konsens dagegen ein Ergebnis je Aktie von 5,21 US-Dollar, ein Plus von rund 90 Prozent. Der Konzern selbst hat für das laufende Geschäftsjahr Netto-Buchungen von 8 bis 8,2 Milliarden US-Dollar in Aussicht gestellt – im vorangegangenen Geschäftsjahr lagen die Netto-Buchungen bei 6,72 Milliarden US-Dollar, ein Zuwachs von 19 Prozent. Die Kluft zwischen schwachem Quartalsausblick und starker Jahresprognose erklärt sich aus dem Timing: Der große Umsatzschub durch GTA 6 wird erst im Verlauf des Geschäftsjahres erwartet, nicht im ersten Quartal.

Insider haben zuletzt Aktien im Volumen von 569.936 Stück im Gegenwert von rund 128,43 Millionen US-Dollar veräußert. Gleichzeitig bleibt die institutionelle Eigentümerquote mit rund 95 Prozent hoch – ein Hinweis darauf, dass große Fondsgesellschaften trotz der Insiderverkäufe an der Position festhalten.

GTA 6 und NBA 2K27 als zentrale Katalysatoren

Take-Two-CEO Strauss Zelnick hat bestätigt, dass sich der ursprünglich für November oder Dezember 2025 geplante Release von GTA 6 um weniger als sechs Monate verschoben hat. „Es ist eine ziemlich kurze Verzögerung“, sagte Zelnick dazu. Der neue Starttermin ist der 19. November 2026, die Vorbestellungen laufen bereits seit Ende Juni. Zum Auftakt bringt Rockstar das Spiel zunächst nur digital und ohne den Online-Modus auf den Markt, dieser soll separat folgen. Zum Preis äußerte sich Zelnick zurückhaltend, deutete aber an, dass die Kosten angesichts der milliardenschweren Entwicklungsausgaben über der bisherigen Marke von 70 US-Dollar liegen könnten. Als Vergleichsgröße für den kommerziellen Erfolg dient dem Konzern der Vorgänger: GTA V hat sich rund 230 Millionen Mal verkauft, Red Dead Redemption 2 mehr als 85 Millionen Mal.

Neben GTA 6 bringt Take-Two mit NBA 2K27 am 4. September 2026 einen weiteren Titel auf den Markt, mit Early Access bereits ab dem 28. August. Die Cover-Athleten sind Victor Wembanyama für die Standardversion zu 69,99 US-Dollar, Caitlin Clark für die Deluxe-Ausgabe zu 99,99 US-Dollar und Derrick Rose für die Ultra-Edition zu 149,99 US-Dollar. Auch die Wrestling-Reihe WWE 2K26 bewertet Zelnick als Erfolg mit hoher Metacritic-Wertung; er sieht Potenzial, die Franchise auf das Doppelte oder Dreifache der aktuellen Größe auszubauen. WWE 2K27 soll im März 2027 folgen.

Kursverlauf trifft auf schwachen Gesamtmarkt

Take-Two notierte zuletzt bei 204,60 Euro und gab damit um 1,16 Prozent nach. Zum 52-Wochen-Hoch von 231,40 Euro, das am 7. Juli 2026 erreicht wurde, klafft damit eine Lücke von 11,58 Prozent. Der Rücksetzer fällt in eine Phase, in der der US-Videospielemarkt im Juni 2026 laut Marktdaten des Analysehauses Circana um 21 Prozent zum Vorjahr eingebrochen ist, den stärksten monatlichen Rückgang seit 2022. Konsolenausgaben sanken sogar um 62 Prozent. Gerade deshalb ruhen die Hoffnungen der Branche auf GTA 6 als möglichem Impulsgeber für eine Erholung im Herbst.

Trotz des jüngsten Kursrückgangs bleibt die Analystenlage für Take-Two überwiegend positiv. Der Kurszielkonsens liegt bei 293 US-Dollar und wird mit „Moderate Buy“ eingestuft. Einzelne Häuser gehen deutlich weiter: Bank of America nennt ein Kursziel von 368 US-Dollar, DA Davidson 300 US-Dollar, Wells Fargo 289 US-Dollar und BMO 285 US-Dollar. Die Spanne der Einschätzungen zeigt, wie unterschiedlich der Markt den möglichen Erfolg von GTA 6 bewertet – und wie viel vom Ausgang dieses einen Launches im November abhängt.