Millionenschwere Aktienverkäufe durch Führungskräfte, ein Kurs rund 15 Prozent im Minus seit Jahresbeginn — und trotzdem hält die Wall Street unbeirrt an Take-Two fest. Der Widerspruch ist nur scheinbar einer.

Planmäßige Verkäufe, kein Alarmsignal

Anfang Juni verkauften mehrere Insider Take-Two-Aktien im großen Stil. Präsident Karl Slatoff trennte sich am 1. und 3. Juni von Anteilen im Wert von rund 56,2 Millionen Dollar. Die Preise lagen zwischen 214,99 und 231,01 Dollar je Aktie. CFO Lainie Goldstein verkaufte am 2. Juni gut 31.000 Aktien zu 219,61 Dollar — ausschließlich zur Deckung von Steuerverbindlichkeiten aus zuvor gewährten Restricted Units. Direktor Michael Dornemann folgte am 8. Juni mit einem kleineren Verkauf im Wert von knapp 250.000 Dollar.

Alle Transaktionen liefen über sogenannte 10b5-1-Pläne. Diese Handelspläne legen Zeitpunkt und Umfang von Verkäufen Monate im Voraus fest — unabhängig von aktuellen Kursentwicklungen oder internen Informationen. Slatoffs Plan datiert vom November 2025, Goldsteins Verkauf war als automatische Steuerdeckung hinterlegt. Opportunistisches Insiderhandeln sieht anders aus.

Wall Street setzt auf GTA VI

Die Analysten lassen sich von den Verkäufen nicht beirren. Piper Sandler nahm die Aktie neu mit „Overweight“ und einem Kursziel von 280 Dollar auf. Benchmark bekräftigte sein „Buy“-Rating mit 300 Dollar Kursziel. BMO Capital blieb bei „Outperform“ und 280 Dollar — und verwies auf den bestätigten GTA-VI-Starttermin am 19. November 2026. Von 29 Analysten lautet das Konsensrating „Strong Buy“, das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 279 Dollar.

Der Hintergrund: Zwischen GTA V und GTA VI liegen 13 Jahre. Die Erwartungen an den Nachfolger sind entsprechend hoch. Take-Two selbst hat für das Geschäftsjahr 2027 eine Buchungsprognose von 8,0 bis 8,2 Milliarden Dollar ausgegeben — ein Wert, der leicht unter manchen Analystenschätzungen lag, aber die GTA-VI-Dynamik noch kaum abbildet.

Kurs unter Druck, Basis solide

Die Aktie schloss am Freitag bei 183,10 Euro — rund 7,7 Prozent unterhalb ihres 200-Tage-Durchschnitts von 198,33 Euro. Seit Jahresbeginn beträgt das Minus fast 15 Prozent. Das vierte Quartal des abgelaufenen Geschäftsjahres übertraf die Konsenserwartungen beim Nettobuchungswert um rund 2 Prozent. Eine solide Ausgangslage, auch wenn der Kurs das noch nicht widerspiegelt.

Den nächsten konkreten Datenpunkt liefert der Quartalsbericht für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 — erwartet im August 2026. Er könnte erste Hinweise auf die Vorverkaufsdynamik bei GTA VI geben. Bis dahin bleibt die Frage, wie viel vom November-Launch bereits eingepreist ist, das bestimmende Thema für den Kurs.