Die Aktie von Take-Two Interactive notiert rund achtzehn Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 231,40 Euro, während der Starttermin für GTA VI näher rückt.
Am heutigen Freitag legt das Papier um 0,8 Prozent auf 188,70 Euro zu, nachdem es bereits am Donnerstag bei 187,20 Euro geschlossen hatte. Auf Jahressicht bleibt der Titel mit einem Minus von 13 Prozent deutlich im roten Bereich – eine Diskrepanz, die Analysten zunehmend mit dem bevorstehenden Launch des Blockbusters erklären.
Vorbestellungen laufen auf Rekordniveau
Die Nachfrage nach GTA VI übertrifft offenbar selbst optimistische Erwartungen. Nach Berechnungen von Newzoo erreichten die Vorbestellungen bereits rund 260 Millionen Dollar, mit Prognosen von bis zu 4,5 Milliarden Dollar bis zur Launch-Woche am 19. November.
Sensor Tower zufolge entschieden sich rund 89 Prozent der Vorbesteller für die teurere Ultimate Edition zum Preis von 99,99 Dollar statt der Basisversion.
Die Netflix-Preview des Spiels Ende August erzielte laut Angaben aus der Branche 31,1 Millionen Aufrufe binnen vier Tagen und führte in 87 von 93 Ländern die Rankings an – der Effekt reichte so weit, dass Netflix nach Berechnungen von Ampere Analysis mehr als 100.000 neue Abonnenten am Launch-Tag der Preview verzeichnete, den drittgrößten Anmeldespike des Jahres 2026.
Take-Two selbst bekräftigte in seinem jüngsten Quartalsbericht, dass der Termin 19. November für PlayStation 5 und Xbox Series X|S weiterhin gilt. Konzernchef Strauss Zelnick betonte demnach, das kommende Geschäftsjahr solle ein Rekordjahr werden. Für das laufende Fiskaljahr peilt das Unternehmen Net Bookings zwischen 8 und 8,2 Milliarden Dollar an, nach 1,39 Milliarden Dollar im ersten Quartal.
Bewertungslücke zwischen Kurs und Analystenzielen
Die Diskrepanz zwischen operativer Dynamik und Kursentwicklung fällt bei den Kurszielen der großen Häuser besonders auf. JP Morgan stuft die Aktie mit Kaufempfehlung und einem Kursziel von 310 Dollar ein, Bank of America sieht sogar 368 Dollar für gerechtfertigt und hat ihre Umsatzprognose für GTA Online im laufenden Fiskaljahr um 900 Millionen auf 2,2 Milliarden Dollar angehoben.
Wells Fargo nennt ein Ziel von 293 Dollar. Diese Einschätzungen liegen deutlich über dem aktuellen Kursniveau der Aktie und deuten darauf hin, dass die Analysten den jüngsten Rückgang als temporär betrachten.
Charttechnisch zeigt sich das Bild derzeit angespannt: Der Kurs liegt acht Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 205,12 Euro und knapp vier Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 195,88 Euro. Der RSI von 41,6 signalisiert weder überkaufte noch überverkaufte Bedingungen, während die annualisierte Volatilität von 39 Prozent auf erhöhte Unsicherheit im Vorfeld des Launches hindeutet.
Rechtsstreit und Marketing-Kontroversen begleiten den Countdown
Parallel zur kommerziellen Vermarktung sorgt ein arbeitsrechtlicher Streit für Aufmerksamkeit. Vor einem Arbeitsgericht in Glasgow begann am Donnerstag ein Verfahren, in dem 31 ehemalige Rockstar-Mitarbeiter aus Großbritannien gegen ihre im Oktober 2025 erfolgte Entlassung klagen.
Die Gewerkschaft IWGB wirft dem Studio unrechtmäßige Kündigung wegen gewerkschaftlicher Aktivität vor, Rockstar beruft sich auf grobes Fehlverhalten im Zusammenhang mit vertraulichen Informationen, die über Discord geteilt worden seien. Das Verfahren soll bis Mitte Oktober laufen.
Auch beim Marketing gibt es Reibungen: Die Stadtverwaltung von Miami Beach genehmigte mit knapper Mehrheit eine rund drei Millionen Dollar schwere Werbekampagne für GTA VI, die von Mitte Oktober bis Ende Dezember laufen soll – allerdings nur auf privaten Strandmöbeln, nicht auf städtischen Wahrzeichen.
Ein Kommissionsmitglied kritisierte die Verbindung der Stadt zu einem Spiel, das Gewalt gegen Polizisten thematisiert. Für Anleger bleiben solche Nebenschauplätze zweitrangig gegenüber der zentralen Frage, ob der Launch die hohen Erwartungen erfüllen kann – der aktuelle Kursabschlag scheint diese Unsicherheit bereits einzupreisen.
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