Take-Two steht vor dem größten Launch seiner Geschichte – und die Zahlen aus dem ersten Geschäftsquartal untermauern die Erwartungen. Das Unternehmen wies für das per Ende Juni abgeschlossene Quartal Net Bookings von 1,39 Milliarden Dollar aus, unter dem Strich blieb wegen einer Abschreibung von 43,4 Millionen Dollar ein GAAP-Nettoverlust von 34,1 Millionen Dollar. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet der Konzern mit Net Bookings zwischen 8,0 und 8,2 Milliarden Dollar.

Der Ausblick steht und fällt mit einem einzigen Titel: Grand Theft Auto VI. CEO Strauss Zelnick bezeichnete die Vorbestellungen für das Spiel als beispiellos, der Start ist für den 19. November terminiert.

Zugleich zeigt der Quartalsbericht, dass Take-Two nicht allein von GTA lebt: NBA 2K6 verzeichnete Rekordverkäufe, und das Franchise GTA 5 hat inzwischen die Marke von 230 Millionen verkauften Einheiten überschritten. Im Gegenzug strich das Unternehmen ein unangekündigtes Spiel eines Drittanbieters, was zu einer entsprechenden Wertminderung führte.

Bewertung unter Druck trotz starker Fundamentaldaten

Trotz der robusten operativen Basis steht die Aktie unter Verkaufsdruck. Der Kurs notiert bei 185,60 Euro und damit rund 20 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 231,40 Euro, das erst Anfang Juli erreicht wurde.

Analysen zur Bewertung verweisen auf ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund dem Sechsfachen – deutlich über dem Branchenschnitt von 1,3 und auch über vergleichbaren Wettbewerbern mit rund 2,2. Ein auf Basis der künftigen Ertragslage berechneter fairer Wert wird auf etwa 217 Dollar je Aktie taxiert, was den aktuellen Kurs nur leicht darunter einordnet.

Der jüngste Marktwertrückgang von rund 2,83 Milliarden Dollar im Zuge früherer GTA-6-Leaks wirkt damit weiterhin nach, auch wenn die operative Entwicklung des Konzerns unverändert positiv verläuft. Anleger müssen abwägen, ob die hohe Bewertung angesichts eines der am stärksten erwarteten Spiele-Launches der Branchengeschichte gerechtfertigt ist oder ob der Markt bereits zu viel Optimismus eingepreist hat.

Volumen- statt Umsatztreiber im Fokus

Abseits des Haupttitels bleibt das Portfolio breit aufgestellt. Take-Two führt mit Borderlands 4, Civilization VII und WWE 2K26 mehrere weitere Marken im Programm, während im Mobile-Segment die wiederkehrenden Erlöse rückläufig sind.

Direct-to-Consumer-Umsätze wachsen dagegen. Neue geistige Eigentümer wie Project ETHOS und Judas sollen künftig zusätzliche Wachstumsimpulse liefern, dürften angesichts der Dominanz von GTA VI im laufenden Geschäftsjahr aber zunächst eine untergeordnete Rolle spielen.

Parallel zu den sportlichen Wachstumszielen sorgt der GTA-6-Hype bereits jetzt für spürbare Nebeneffekte in der Konsolenbranche: In Großbritannien legten die Verkäufe von PlayStation 5 und Xbox Series in der Woche der jüngsten Enthüllung um rund ein Drittel zu, während ein Netflix-Trailer zum Spiel mehr als 30 Millionen Zuschauer erreichte.

Solche Signale unterstreichen die Reichweite der Marke – sie ändern aber nichts an der Kernfrage, ob die aktuelle Bewertung von Take-Two den bevorstehenden Umsatzschub bereits vollständig widerspiegelt.