Ein Vorstandschef, der seine eigene Prognose zweimal binnen weniger Monate anhebt — das kommt selten vor. Torsten Leue hat genau das getan. Was ursprünglich als Ziel für 2027 galt, hat Talanx nun schon für das laufende Jahr fest im Blick, und selbst die zuletzt bestätigte Marke von „ungefähr 2,7 Milliarden Euro“ reicht dem Vorstandschef nicht mehr.
Bei der Vorlage der Halbjahresbilanz in Hannover kündigte Leue an, die Jahresprognose deutlich zu übertreffen. Das Konzernergebnis soll nun spürbar über 2,7 Milliarden Euro liegen. Der Markt reagierte prompt: Die Aktie kletterte im Handel zeitweise um 4,89 Prozent auf 120,10 Euro.
Kapitalanlagen und weniger Großschäden treiben Gewinn
Der Erfolg speist sich aus zwei Quellen. Zum einen sprang das Kapitalanlageergebnis um mehr als ein Fünftel nach oben — höhere Zinserträge zahlen sich aus.
Zum anderen gingen die Großschäden von gut 1,1 Milliarden auf 942 Millionen Euro zurück, obwohl Wintersturm „Fern“ in Nordamerika und Atlantikstürme auf der Iberischen Halbinsel und in Marokko ins Kontor schlugen. Für mögliche Folgen des Iran-Kriegs hat Talanx zusätzlich 200 Millionen Euro zurückgestellt.
Der Versicherungsumsatz des Konzerns stagnierte bei knapp 24,3 Milliarden Euro, wuchs währungsbereinigt aber um 3 Prozent. Wichtiger für Aktionäre: Der auf sie entfallende Überschuss stieg um 9 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro — der höchste Wert, den Talanx je in einem ersten Halbjahr erzielt hat. Das operative Ergebnis (EBIT) legte um 11 Prozent auf 3,18 Milliarden Euro zu.
Getragen wurde das Wachstum von allen Sparten. Die Primärversicherung mit der Hauptmarke HDI steuerte mit einem Plus von 12 Prozent gut die Hälfte des Konzernergebnisses bei. Auch der mehrheitlich zu Talanx gehörende Rückversicherer Hannover Rück, weltweit die Nummer drei der Branche, warf mehr Gewinn ab.
Mit der angehobenen Prognose setzt Talanx den Kurs des laufenden Jahres fort, der von steigenden Kapitalerträgen und einer ruhigeren Schadenbilanz geprägt ist. Ob sich das Tempo im zweiten Halbjahr hält, dürfte sich an der Entwicklung der Kapitalmärkte und dem weiteren Schadenverlauf entscheiden.
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