Ein Quartal mit rückläufigem Umsatz, aber die Aktie klettert auf den höchsten Stand seit Anfang Juni — bei TeamViewer zählt offenbar der Blick nach vorn mehr als die Zahlen von gestern. Der Kurs drehte am Dienstag nach anfänglichen Verlusten von mehr als zwei Prozent ins Plus und stieg zeitweise auf 5,96 Euro.
Die Geschäftszahlen selbst liefern wenig Grund zum Jubeln. Der Umsatz sank im zweiten Quartal um rund 4 Prozent auf etwa 183 Millionen Euro, währungsbereinigt fiel der Rückgang mit 1,4 Prozent deutlich moderater aus. Die annualisierte wiederkehrende Umsatzbasis (ARR) schrumpfte um 3 Prozent auf 736,8 Millionen Euro, die Kundenzahl sank um 7 Prozent auf 612.000.
Unter dem Strich verdiente TeamViewer trotzdem ein Drittel mehr als im Vorjahr — 30,1 Millionen Euro nach 22,7 Millionen Euro. Das bereinigte EBITDA fiel um 6 Prozent auf 78,9 Millionen Euro, die entsprechende Marge lag bei rund 43 Prozent und damit über den Erwartungen der von Bloomberg befragten Analysten.
Frühindikatoren sollen zweite Jahreshälfte tragen
Finanzvorstand Michael Wilken verwies auf mehrere Frühindikatoren, die sich im zweiten Quartal „sehr erfreulich“ entwickelt hätten und eine Wachstumsbeschleunigung in der zweiten Jahreshälfte stützen sollen. Konzernchef Oliver Steil sprach von „vorübergehenden Wachstumsdämpfern“ und bestätigte die Jahresprognose: ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum zwischen 0 und 3 Prozent sowie eine bereinigte EBITDA-Marge von rund 43 Prozent, nach 44,3 Prozent im Vorjahr.
Als Hoffnungsträger gilt die Enterprise-Sparte, in der TeamViewer nach Kundenverlusten rund um die Zukäufe eine Trendwende erwartet. Im SMB-Segment sieht das Management inzwischen eine Stabilisierung der Kundenabwanderung. Strategisch setzt Steil auf die Partnerschaft mit ServiceNow, dessen Vertrieb TeamViewer-Produkte künftig aktiv an die eigenen Kunden verkauft — ein Schritt, den der Manager als „großen Wurf“ bezeichnete.
Kepler Cheuvreux bewertete das Quartal als schwächer als erwartet, sah in den Ergebnissen aber Anzeichen einer Stabilisierung, besonders im Enterprise-Geschäft. Die Analysten bezeichneten TeamViewer weiterhin als „Show-me-Story“ — Investoren warten auf handfeste Belege, dass Turnaround-Strategie und KI-Initiativen tatsächlich zu nachhaltigem Wachstum zurückführen. Der niedrige einstellige Gewinnmultiplikator der Aktie lasse dabei wenig Erfolg bereits eingepreist erscheinen.
Mit dem jüngsten Kursanstieg reduziert TeamViewer den Verlust seit Jahresbeginn, der zuvor bei rund 5 Prozent gelegen hatte. Ob die für das zweite Halbjahr versprochene Beschleunigung tatsächlich eintritt, dürfte sich an den kommenden Quartalszahlen ablesen lassen — vor allem daran, ob die Kundenabwanderung im SMB-Segment weiter abflacht und die Enterprise-Sparte über 1E wieder Fahrt aufnimmt.
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