TeamViewer hat Anfang 2025 tief in die Tasche gegriffen. Der erhoffte US-Boom mit dem IT-Spezialisten 1E stockt nun gewaltig. Die staatliche DOGE-Initiative friert Budgets in Washington ein. Das trifft den Konzern an seiner empfindlichsten Stelle.

Der britische Zukauf kostete fast eine Dreiviertelmilliarde US-Dollar. 1E erwirtschaftet vier Fünftel seiner Erlöse in den Vereinigten Staaten. Genau dort verschob das Kriegsveteranenministerium einen fest eingeplanten Ausbau des Vertrags. Das Ministerium ist der größte Einzelkunde der Tochter.

Die Folge: Das Management dämpft die Erwartungen. Für das Jahr 2026 rechnet der Vorstand im schlechtesten Fall mit stagnierenden Umsätzen. Das währungsbereinigte Wachstum erreicht maximal drei Prozent. Die bereinigte operative Gewinnmarge soll bei rund 43 Prozent liegen.

Zweigeteiltes Geschäft und Indexabstieg

Operativ zeigt sich ein gespaltenes Bild. Kleine und mittlere Unternehmen wandern zunehmend ab. Die Kündigungsquote in diesem Segment kletterte Ende vergangenen Jahres auf über 16 Prozent. Demgegenüber steht ein robustes Großkundengeschäft. Das Enterprise-Segment wuchs zuletzt um 19 Prozent. Dieser Zuwachs federt die Einbußen im US-Behördengeschäft zumindest teilweise ab.

Am Kapitalmarkt sorgte zuletzt ein technischer Faktor für starken Gegenwind. Der Abstieg vom MDAX in den SDAX zwang Indexfonds Ende März zum Verkauf. Seit dem Rekordhoch im Jahr 2020 verlor das Papier massiv an Wert. Mitte April markierte die Aktie ein Tief bei gut vier Euro. Ein kurzer Zwischenspurt über fünf Euro scheiterte. Die Kraft für einen Ausbruch aus dem Abwärtstrend fehlte.

Neue Zertifizierung und KI-Fokus

Als Gegenmaßnahme stellt TeamViewer strukturelle Weichen. Der Konzern sicherte sich die wichtige FedRAMP-Zertifizierung. Damit öffnen sich erstmals die Türen zu lukrativen US-Bundesbehörden. Seit April bietet die Software einen streng begrenzten Datenzugriff nur für US-Nutzer. Parallel dazu treibt das Unternehmen seine KI-Agenda voran. Das neue Tool „Tia Reporting“ erstellt IT-Entscheidern per Spracheingabe Echtzeit-Dashboards.

Die Technologie zeigt erste Erfolge im Alltag. Kunden haben bereits über eine Million KI-gestützte Support-Sessions abgeschlossen. Im Sommer plant TeamViewer den nächsten Schritt mit einem autonomen Management-System. Konzernchef Oliver Steil will im laufenden Jahr primär bestehende Systeme integrieren. Weitere Zukäufe schließt der Vorstand vorerst aus.

Am 6. Mai präsentiert TeamViewer die Zahlen zum ersten Quartal. Der Bericht liefert den nächsten harten Prüfstein. Er muss belegen, dass das Großkundengeschäft die Lücke im US-Markt wirklich schließt. Gelingt das, erhält die jüngste technische Erholung ein solides Fundament. Mittelfristig peilt das Management wieder ein Umsatzwachstum im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich an.