Telus notiert aktuell bei 16,44 Kanadischen Dollar. Das sind nur 1,61 Prozent über dem 52-Wochen-Tief. Der RSI von 33,5 signalisiert einen stark überverkauften Zustand. Für ein Unternehmen mit sinkenden Schulden und wachsendem Cashflow ist dieser Absturz frappierend. Meiner Meinung nach ist diese Diskrepanz schlichtweg ungerechtfertigt.

Die Bilanz wird spürbar sauberer

Die zentrale Frage lautet nicht, ob das Geschäftsmodell kaputt ist. Es geht darum, ob der Markt das Tempo der Erholung richtig einschätzt. Die Fakten sprechen eine klare Sprache: Der Markt irrt sich.

Die Verschuldung sinkt spürbar. Das Verhältnis von Nettoschulden zum operativen Gewinn fiel bis Ende März 2026 auf den Faktor 3,5. Ein Jahr zuvor lag dieser Wert noch bei 3,9. Das Management liefert damit schneller als geplant.

Telus peilt für das laufende Jahr einen Verschuldungsgrad von 3,3 an. Bis Ende 2027 soll der Wert auf exakt 3,0 sinken. Für einen kapitalintensiven Telekom-Konzern ist das eine beachtliche Leistung. Der aktuelle Aktienkurs honoriert diese eiserne Disziplin jedoch überhaupt nicht.

Wachsender Cashflow als Motor

Auf den ersten Blick sehen die Gewinnzahlen hässlich aus. Der Nettogewinn brach um 52 Prozent auf 144 Millionen Dollar ein. Das liegt aber an hohen Umbaukosten und nicht an einem schwachen Kerngeschäft. Blendet man dieses Rauschen aus, ändert sich das Bild komplett.

Die Kasse klingelt weiterhin. Der freie Cashflow kletterte um 19 Prozent auf 583 Millionen Dollar. Parallel dazu stiegen die Investitionen auf 651 Millionen Dollar. Ein Unternehmen mit derart wachsendem Cashflow steckt nicht in der Krise. Es befindet sich im Umbruch.

Für das Jahr 2026 bestätigt Telus seine Ziele. Der freie Cashflow soll auf rund 2,45 Milliarden Dollar steigen. Im gleichen Schritt plant der Konzern, die Investitionen um zehn Prozent zu kappen. Sinkende Ausgaben bei steigendem Cashflow treiben historisch die Kurse an. Der Markt ignoriert das derzeit völlig.

Der Joker im Gesundheitsbereich

Der am meisten unterschätzte Kurstreiber ist die Sparte TELUS Health. Der Konzern prüft aktuell eine Monetarisierung dieses Bereichs. Dafür hat Telus bereits externe Finanzberater engagiert.

Die Dimensionen sind gewaltig. Die Gesundheitsplattform erreicht mehr als 160 Millionen Menschen weltweit. Das rechtfertigt hohe Erwartungen an die Bewertung. Ein erfolgreicher Deal könnte den Schuldenabbau massiv beschleunigen. Für die Aktie wäre das ein klarer Startschuss für eine Neubewertung.

Auch die Integration von TELUS Digital zahlt sich bereits aus. Die Privatisierung im Oktober 2025 bringt messbare Erträge. Der Konzern realisierte bis zum ersten Quartal 2026 jährliche Cashflow-Synergien von 115 Millionen Dollar. Das ist kein Rundungsfehler. Es ist eine strukturelle Verbesserung der Kostenbasis.

Das Kerngeschäft wächst derweil munter weiter. Telus verzeichnete zuletzt 262.000 neue Verträge im Mobilfunk- und Festnetzbereich. Die Anschlüsse stiegen um sechs Prozent auf 17,7 Millionen. Von Stagnation fehlt jede Spur.

Pessimismus dominiert den Kurs

Natürlich gibt es auch berechtigte Kritikpunkte. Die hohen Umbaukosten belasten die ausgewiesenen Gewinne. Die eingefrorene Quartalsdividende von 0,4184 Dollar verärgert Dividendenjäger. Die technische Schwäche der Aktie ist real. Der Kurs notiert gut drei Prozent unter der 50-Tage-Linie.

Soweit so gut. Aber der Preis von 16,44 Dollar spiegelt puren Pessimismus wider. Die Aktie ist für fortgesetzte Enttäuschungen gepreist. Dabei deuten alle Fakten auf eine schrittweise Besserung hin.

Der Schuldenabbau läuft nach Plan. Der Verkaufsprozess für TELUS Health ist gestartet. Der freie Cashflow wächst. Die Geduld des Marktes mag am Ende sein. Meiner Erfahrung nach ist genau das der Moment, in dem mutige Investoren belohnt werden.