Telus notiert knapp über seinem 52-Wochen-Tief. Der Kurs ist seit Oktober 2025 um mehr als 22 Prozent gefallen. Was dabei entstanden ist: eine Dividendenrendite von fast 10 Prozent. Das klingt verlockend – und ist gleichzeitig das eigentliche Problem.
Die Dividende ist real. Die Frage ist das Drumherum.
Der Verwaltungsrat hat eine Quartalsdividende von 0,4184 CAD je Aktie beschlossen, zahlbar am 2. Juli 2026. Das Geld kommt. Aber rechtfertigt das den Einstieg in eine Aktie, die seit Jahresbeginn weitere 7,6 Prozent verloren hat und deren RSI bei 37 liegt?
Das Argument der Bullen ist stärker, als der Kurs vermuten lässt. Die Verschuldung sinkt schneller als geplant: Das Verhältnis von Nettoschulden zu EBITDA fiel auf 3,5 – nach 3,9 ein Jahr zuvor. Management peilt bis Ende 2026 einen Wert von 3,3 oder besser an, bis Ende 2027 sollen es 3,0 sein. Der freie Cashflow wuchs im ersten Quartal 2026 um 19 Prozent auf 583 Millionen CAD. Der teure Glasfaser- und 5G-Ausbau läuft aus. Weniger Investitionen bedeuten strukturell mehr freien Cashflow – ohne dass die Umsätze dafür anziehen müssen. Liquide Mittel von rund 3,1 Milliarden CAD stehen bereit, gestützt durch eine Kreditlinie von 2,75 Milliarden CAD bis 2030. Das ist kein Unternehmen am Rand einer Finanzkrise.
Der Joker: Telus Health
Der wichtigste Kurstreiber der nächsten Monate ist die geplante Monetarisierung von Telus Health. TD Securities und Jefferies begleiten den Prozess. CFO Doug French sagte, die Sache sei „gut vorangeschritten“ – er hoffe, noch vor dem Amtsantritt des neuen CEO Victor Dodig etwas „Unterschriftsreifes oder Ankündbares“ vorweisen zu können. Das ist ein enger Zeitplan. Wenn er hält, dürfte das der stärkste Neubewertungsimpuls für die Aktie sein, den der Markt derzeit noch nicht eingepreist hat. Erlöse sollen in den Schuldenabbau fließen.
Die Bären haben ein echtes Argument
Die Gesamtverschuldung liegt bei 31 Milliarden CAD – bei einer Marktkapitalisierung von rund 16 Milliarden Euro. Das ist ein formidabler Hebel. Und das Management hat klargemacht: Die Dividende bleibt auf dem aktuellen Niveau. Kein Wachstum. Kein Spielraum nach oben.
Eine eingefrorene Dividende ist kein Schnitt – aber sie ist auch kein Boden. Sie ist eine Decke. Manche Marktbeobachter gehen noch weiter: Eine Kürzung unter dem neuen CEO sei denkbar, und der Kurs könnte darauf sogar positiv reagieren, weil freigesetztes Kapital den Schuldenabbau beschleunigen würde. Das ist keine Randmeinung mehr.
Mein Urteil: Geduld als Preis für die Rendite
Telus ist kein kaputtes Unternehmen. Der Schuldenabbau läuft besser als erwartet, der Cashflow wächst, und mit Telus Health wartet ein konkreter Katalysator. Allerdings bleibt das technische Bild schwach. Der Kurs handelt unterhalb seines 50-Tage-Durchschnitts von 17,03 CAD, der Trend zeigt weiter nach unten.
Wer die Unsicherheit aushält und die Quartalsdividende kassiert, während er auf den Health-Deal wartet, findet das Chance-Risiko-Verhältnis möglicherweise akzeptabel. Aber die Geduld, die das erfordert, sollte niemand unterschätzen. Die Aktie dürfte so lange unter Druck bleiben, bis Telus Health einen konkreten Abschluss liefert – oder das Management die Dividendenfrage ein für alle Mal klärt.
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