Das Technologieunternehmen Tempus AI hat für das zweite Quartal 2026 einen bedeutenden finanziellen Wendepunkt verkündet. Erstmals erzielte das auf künstliche Intelligenz und Diagnostik spezialisierte Unternehmen einen Gewinn nach GAAP-Standard. Parallel zur Veröffentlichung der Geschäftszahlen gab der Konzern die Übernahme des Konkurrenten Personalis für rund 1,5 Milliarden US-Dollar bekannt.

Umsatzsprung und erste Profitabilität

Der Gesamtumsatz kletterte im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 22 Prozent auf 382,5 Millionen US-Dollar. Besonders dynamisch entwickelte sich das Segment Data & Applications, das ein Plus von 28 Prozent auf 93,2 Millionen US-Dollar verzeichnete. Der Kernbereich Diagnostics steuerte 289,3 Millionen US-Dollar zum Ergebnis bei, was einem Zuwachs von 20 Prozent entspricht.

Entscheidend für Anleger ist die Entwicklung der Profitabilität. Unter dem Strich stand ein GAAP-Nettogewinn von 5,6 Millionen US-Dollar. Auch das bereinigte EBITDA drehte mit 8,0 Millionen US-Dollar in den positiven Bereich, nachdem im Vorjahresquartal noch ein Verlust von 5,6 Millionen US-Dollar gemeldet worden war. Das Management bestätigte zudem die Prognose für das Gesamtjahr 2026 und erwartet einen Umsatz zwischen 1,595 und 1,605 Milliarden US-Dollar sowie ein bereinigtes EBITDA von rund 65 Millionen US-Dollar.

Strategische Expansion durch Personalis-Kauf

Die geplante Übernahme von Personalis markiert einen massiven Ausbau der Aktivitäten im Bereich der Krebsüberwachung. Der Transaktionswert wird mit 1,5 Milliarden US-Dollar beziffert. Tempus AI setzt damit verstärkt auf die Verbindung von genomischen Daten und künstlicher Intelligenz. Zur Finanzierung stehen dem Unternehmen liquide Mittel in Höhe von etwa 816 Millionen US-Dollar zur Verfügung. Dem gegenüber stehen langfristige Verbindlichkeiten aus Wandelanleihen im Volumen von 1,36 Milliarden US-Dollar.

Zusätzlich zu den finanziellen Fortschritten konnte das Unternehmen technologische Erfolge vermelden. Eine am heutigen Dienstag in der Fachzeitschrift Nature Medicine veröffentlichte Studie belegt die Leistungsfähigkeit des neuen Pathologie-Modells PRISM2. Das in Zusammenarbeit mit Microsoft entwickelte System wurde mit 2,3 Millionen Bildern und 14 Millionen Frage-Antwort-Paaren aus Pathologie-Berichten trainiert. Es soll bestehende Modelle bei der Diagnose und der Erstellung von Prognosen übertreffen.

Markt reagiert verhalten auf Analystenstimmen

An der Börse sorgten die Nachrichten für eine moderate Erholung. Der aktuelle Kurs der Aktie liegt bei 40,82 Euro, was einem Anstieg von 1,87 Prozent am heutigen Handelstag entspricht. Trotz der positiven Quartalszahlen bleibt die Bewertung auf Jahressicht gedrückt; der Titel notiert derzeit mit einem Abstand von 54,13 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch.

Analysten bewerten die jüngste Entwicklung differenziert. Yi Chen vom Analysehaus H.C. Wainwright senkte das Kursziel für Tempus AI von 64 auf 56 US-Dollar, behielt jedoch die Kaufempfehlung bei. Zur Begründung hieß es, dass das Umsatzwachstum zwar weiterhin solide sei, sich das Tempo jedoch zuletzt leicht verlangsamt habe. Positiv hervorgehoben wurde hingegen die erhaltene FDA-Zulassung für das Testsystem xT CDx, von dem sich das Unternehmen ab dem Jahr 2027 zusätzliche jährliche Erlöse in Höhe von 85 Millionen US-Dollar verspricht.