Terafab-Deal und Rekordkurse: AMD und Intel treiben den Halbleiter-Sektor

AMD und Intel erreichen neue Höchststände, während Ams Osram mit Gewerkschaftskonflikten kämpft und Kontron eigene Aktien zurückkauft. Die anstehenden Quartalszahlen werden die Rally auf den Prüfstand stellen.

AMD Aktie
Kurz & knapp:
  • AMD mit zwölf aufeinanderfolgenden Gewinntagen
  • Intel profitiert von Terafab-Deal mit Elon Musk
  • Ams Osram streicht Stellen trotz Gewerkschaftsprotesten
  • Kontron kauft eigene Aktien zu günstiger Bewertung zurück

TSMCs Rekordquartal hat diese Woche eine Welle durch die Chipbranche geschickt — und AMD sowie Intel surfen ganz vorne mit. Während beide US-Schwergewichte neue Höchststände markieren, kämpft Ams Osram mit Gewerkschaftswiderstand in Regensburg, Kontron kauft still eigene Aktien zurück, und BrainChip profitiert an der australischen Börse vom allgemeinen KI-Rückenwind. Die anstehende Berichtssaison wird zeigen, ob die Rally auf solidem Fundament steht.

TSMC setzt den Takt für die gesamte Branche

TSMCs Quartalszahlen Mitte April wurden zum Katalysator der Woche. Der taiwanesische Auftragsfertiger meldete Rekordergebnisse, getrieben von der ungebrochenen Nachfrage nach fortschrittlichen Chiparchitekturen für KI-Beschleuniger und Hochleistungsrechner. Als wichtigster Gradmesser der Halbleiterindustrie sendete TSMC damit ein starkes Signal — besonders für Kunden wie AMD.

Das makroökonomische Umfeld bleibt unterstützend, aber uneinheitlich. US-Chipwerte legten kräftig zu, während europäische Titel wie Ams Osram und Kontron eigenen Rhythmen folgten — geprägt von Restrukturierungen und regionalen Nachfrageverschiebungen. Die nächsten Wochen bringen mit den Q1-Zahlen von Intel (23. April), AMD (5. Mai) und Kontron (6. Mai) gleich drei Härtetests.

AMD: Frankreich-Deal und zwölf Gewinntage in Folge

Zwölf Handelstage mit steigenden Kursen — eine bemerkenswerte Serie, die AMD am Freitag auf ein neues 52-Wochen-Hoch bei 235,85 Euro führte. Zwei Katalysatoren trieben die Aktie am 16. April nach oben: Neben TSMCs Quartalszahlen kündigte AMD eine mehrjährige Zusammenarbeit mit der französischen Regierung an. Ziel ist die Unterstützung der nationalen KI-Strategie Frankreichs, um lokale Innovation im Bereich souveräner KI-Infrastruktur zu beschleunigen.

Die fundamentale Basis für den Höhenflug lieferten bereits die Q4-Zahlen aus dem Februar. Der Umsatz übertraf mit 10,27 Milliarden Dollar die Konsensschätzung deutlich. Das Herzstück: ein Rekord-Datacenter-Umsatz von 5,38 Milliarden Dollar — ein Plus von 39 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der freie Cashflow verdoppelte sich nahezu.

Die Bewertung spiegelt die hohen Erwartungen wider. Das Forward-KGV von 38 gegenüber einem Trailing-KGV von 99 zeigt, dass der Markt einen deutlichen Gewinnanstieg einpreist. Bislang liefert AMD ab. Von 37 Analysten mit Kaufempfehlung sieht keiner einen Verkaufsgrund. Wells Fargo hält an einem Kursziel von 345 Dollar fest und bezeichnet AMD als Top-KI-Pick für 2026. Citigroup senkte dagegen das Kursziel leicht auf 248 Dollar, setzte die Aktie aber gleichzeitig auf eine positive Katalysator-Beobachtung vor den Quartalszahlen.

Intel: Terafab-Euphorie treibt den Kurs weit über Analystenziele

Intels Comeback gehört zu den spektakulärsten Kursgeschichten des Jahres. Die Aktie notiert bei 58,28 Euro am 52-Wochen-Hoch — ein Anstieg von über 73 Prozent seit Jahresbeginn. Der entscheidende Impuls kam am 7. April: Intel wurde als primärer Foundry-Partner für Elon Musks Terafab-Projekt bestätigt. Das milliardenschwere Halbleiter-Joint-Venture zwischen Tesla, SpaceX und xAI zielt auf ein Terawatt KI-Rechenleistung pro Jahr ab, gefertigt auf Intels 18A-Prozess in Austin, Texas.

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Für Intel ist das Projekt ein massiver Vertrauensbeweis in die Turnaround-Strategie. Die Aktie handelt allerdings bereits fast 40 Prozent über dem Median-Kursziel der Wall Street von rund 50 Dollar. Das normalisierte KGV liegt bei 167, der freie Cashflow ist negativ, und die Foundry-Sparte verzeichnete im Geschäftsjahr 2025 einen operativen Verlust von rund 10,3 Milliarden Dollar.

Die Hoffnung richtet sich auf die Zukunft: Analysten erwarten nach vier Jahren mit Umsatzrückgängen erstmals wieder Wachstum — drei Prozent im laufenden Jahr, acht Prozent 2027. Am 23. April stehen die Q1-Zahlen an. KeyCorp erhöhte das Kursziel auf 70 Dollar und verwies auf CPU-Lieferengpässe sowie zwei Runden von Preiserhöhungen bei Server- und Client-Chips. Die Gesamtbewertung der Analysten bleibt mit fünf Kaufempfehlungen gegenüber sechs Verkaufsempfehlungen und 26 Halteempfehlungen aber gespalten.

Ams Osram: Gewerkschaftskonflikt überschattet den Umbau

Während die US-Chipriesen feiern, tobt in Regensburg ein Arbeitskampf. Die IG Metall reagierte scharf auf die angekündigten Streichungen von bis zu 500 Stellen am Halbleiterstandort und nannte die geplanten Kürzungen in Produktion und Entwicklung „extrem gefährlich für den gesamten Standort“. Der Betriebsrat fordert eine verlässliche Perspektive für alle Abteilungen. Ein Ergänzungstarifvertrag schließt betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2027 aus — ohne Zustimmung der Gewerkschaft kann Ams Osram keine Entlassungen aussprechen.

Die Stellenstreichungen sind Teil des Restrukturierungsprogramms „Simplify“. Das Unternehmen peilt Einsparungen von 200 Millionen Euro auf Run-Rate-Basis bis 2028 an. Von den rund 2.000 betroffenen Positionen entfällt etwa die Hälfte auf Europa, mit Regensburg als am stärksten betroffenem Standort. Dort soll die Fertigung auf hochautomatisierte Produktion umgestellt werden.

Die Aktie legte am Freitag dennoch kräftig zu und schloss bei 13,35 Euro — ein Tagesplus von über acht Prozent. Im Monatsvergleich steht ein Plus von fast 50 Prozent. Die Q4-Zahlen vom Februar überraschten positiv: Der Gewinn pro Aktie schlug die Konsensschätzung deutlich, der Umsatz lag mit 1,02 Milliarden Dollar ebenfalls über den Erwartungen. Für die Zukunft stimmt ein Detail optimistisch: Die Design-Wins im Halbleitersegment erreichten mit über fünf Milliarden Euro ein Allzeithoch — ein Indikator für künftiges Umsatzpotenzial.

Das Analysten-Urteil bleibt jedoch vorsichtig. Der Konsens steht auf „Neutral“, das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 8,38 Schweizer Franken — deutlich unter dem aktuellen Kurs. Ab 2027 peilt das Management einstelliges Wachstum und Margen von über 25 Prozent im Halbleitersegment an, mit strategischem Fokus auf „Digital Photonics“ — optische Halbleiter für Automobile, AR-Brillen, Biosensoren und KI-Rechenzentren.

Kontron: Stiller Rückkauf, günstige Bewertung

Kontron arbeitet abseits der Schlagzeilen. Im Zeitraum vom 7. bis 10. April erwarb das Unternehmen 90.000 eigene Aktien im Rahmen des am 25. März angekündigten Rückkaufprogramms. Insgesamt wurden bislang knapp 593.000 Aktien zurückgekauft. Die Aktie schloss am Freitag bei 21,94 Euro, ein Wochenplus von gut zwölf Prozent.

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Die Bewertung fällt im Sektorvergleich auf: Mit einem KGV von knapp 9 und einer Marktkapitalisierung von rund 1,34 Milliarden Euro ist Kontron deutlich günstiger als die US-Pendants. Sieben Analysten bewerten die Aktie einhellig mit „Strong Buy“, das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 30 Euro — fast 40 Prozent über dem aktuellen Kurs.

Für die Q1-Zahlen am 6. Mai erwarten Analysten einen Jahresumsatz von 1,75 Milliarden Euro, was einem Anstieg von knapp sechs Prozent entspräche. Der Gewinn pro Aktie dürfte allerdings um 16 Prozent auf 1,86 Euro sinken. Trotz dieser Abwärtsrevision blieb das Kursziel nahezu unverändert — ein Signal, dass die Analysten den langfristigen Wert im IoT- und Embedded-Computing-Geschäft weiterhin sehen.

BrainChip: Sektor-Rückenwind ohne eigene Katalysatoren

BrainChip ritt am 16. April die allgemeine KI-Welle: Die Aktie legte an der ASX acht Prozent auf 0,162 Australische Dollar zu, bei einem Handelsvolumen von 5,6 Millionen Stücken. Konkrete unternehmensspezifische Nachrichten fehlten. Der Anstieg spiegelte die sektorweite Stimmungsverbesserung wider. In Europa notiert das Papier bei 0,10 Euro.

Die Fundamentaldaten mahnen zur Vorsicht. Das EBITDA liegt bei minus 29 Millionen Australischen Dollar. Anfang April erweiterte BrainChip sein Aktienkapital durch Umwandlung nicht börsennotierter Wertpapiere. Die neuromorphe Akida-Plattform bietet zwar theoretisch Vorteile im Bereich stromsparender Edge-KI — der Weg zur Kommerzialisierung und Profitabilität bleibt aber lang, die Konkurrenz durch größere Halbleiterunternehmen erheblich.

Halbleiter-Sektor zwischen Euphorie und Strukturwandel

Die fünf Aktien im Überblick verdeutlichen die Bruchlinien innerhalb des Technologiesektors:

  • AMD und Intel bewegen sich auf Allzeithochs, getragen von KI-Infrastruktur-Investitionen — stehen aber vor dem Härtetest der Quartalszahlen
  • Ams Osram steckt mitten im Umbau, mit beachtlicher Kursrally trotz Gewerkschaftskonflikt und vorsichtigem Analysten-Konsens
  • Kontron bietet mit einem KGV unter 10 die günstigste Bewertung der Gruppe bei einstimmiger Kaufempfehlung
  • BrainChip bleibt eine spekulative Wette auf Edge-KI ohne unmittelbare Ergebnisverbesserung

Unter der Oberfläche divergieren die Geschichten erheblich. AMDs Rally fußt auf organischem Wachstum mit Rekord-Datacenter-Umsätzen. Intels Anstieg ist stärker narrativgetrieben — verankert am Terafab-Deal, der sich erst in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung materialisieren muss. Dass Intel bereits weit über dem Median-Kursziel der Analysten handelt, birgt Abwärtsrisiko bei Enttäuschungen.

Berichtssaison als Bewährungsprobe

Die kommenden Wochen werden richtungsweisend. Intels Q1-Bericht am 23. April ist der unmittelbarste Katalysator — bei einer Aktie, die auf Perfektion gepreist ist, kann selbst eine kleine Enttäuschung einen heftigen Rücksetzer auslösen. AMDs eigene Q1-Guidance impliziert einen Umsatz von rund 9,8 Milliarden Dollar, ein Plus von etwa 32 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Ausführung gegen diese Messlatte entscheidet, ob das neue Hoch Startrampe oder Deckel ist.

Für Ams Osram werden die Mai-Zahlen zeigen, ob das „Simplify“-Programm Margenversprechen einlöst, während der Regensburger Konflikt schwelt. Kontrons Bericht am 6. Mai testet, ob das IoT-Geschäft bei nachlassender Industriekonjunktur Wachstum liefern kann. BrainChips Weg zur Relevanz hängt weiterhin an der Kommerzialisierung der Akida-Plattform.

Die Divergenz zwischen den Gewinnern des KI-Booms und den Unternehmen im Strukturwandel dürfte sich erst mit den harten Quartalszahlen verringern — oder weiter vertiefen.

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