Bernstein hat das Kursziel für TeraWulf heute von 36 auf 20 US-Dollar gesenkt, hält aber an der Einstufung „Outperform“ fest. Damit fällt die Bewertung trotz der gestern angekündigten Google-Kreditabsicherung deutlich vorsichtiger aus. Im Mittelpunkt stehen regulatorische Risiken für Rechenzentren und die weiterhin anspruchsvolle Umsetzung der Ausbaupläne.
Die beiden Nachrichten betreffen unterschiedliche Risiken: Googles Unterstützung soll die Finanzierung des Anthropic-Projekts in Kentucky erleichtern. Bernsteins Neubewertung richtet sich dagegen auf die Perspektiven des breiteren Rechenzentrumssektors. Eine Absicherung von Mietverpflichtungen beseitigt weder Baukostenrisiken noch mögliche Genehmigungshürden.
Bernstein bleibt positiv, setzt aber niedriger an
Auslöser der sektorweiten Kurszielsenkungen ist nach Bernsteins Einschätzung Gina Hinojosas Wahlsieg in Texas. Hinojosa will neue Rechenzentrumsgenehmigungen aussetzen, bis Schutzregeln gegen höhere Strom- und Wasserkosten bestehen. Das Analysehaus erwartet anhaltende Verzögerungen und hat seine Bewertungsansätze entsprechend angepasst.
Bernstein bewertet das Geschäft mit KI-Rechenzentrumsflächen mit dem Zwölffachen des erwarteten operativen Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen für 2030. Trotz des niedrigeren Kursziels bleibt TeraWulf aus Sicht des Hauses überdurchschnittlich attraktiv.
Die Texas-Debatte ist dabei nicht mit einem Baustopp für TeraWulfs Kentucky-Projekt gleichzusetzen. Sie belastet vielmehr die Annahmen, unter denen Analysten künftige Rechenzentrumsgeschäfte bewerten. Die heute gemeldete Kurszielsenkung zeigt, dass Bernstein diese Unsicherheit auch bei TeraWulf stärker berücksichtigt.
Google-Unterstützung greift nicht sofort
TeraWulfs Anthropic-Verträge umfassen rund 19 Mrd. US-Dollar an vereinbarten Mietverpflichtungen über 20 Jahre. Vorgesehen sind rund 401 MW kritische IT-Leistung am Justified Data Campus in Hawesville. Die Vertragssumme bezeichnet weder die Höhe von Googles Kreditunterstützung noch das Volumen der geplanten Fremdfinanzierung.
Nach TeraWulfs Mitteilung unterstützt Google bestimmte Anthropic-Mietverpflichtungen. Bei Zahlungsausfall oder Insolvenz kann Google unter festgelegten Bedingungen den Mietvertrag übernehmen oder eine Kündigungszahlung leisten. Eine damit verbundene Beteiligung beträfe die Projektgesellschaft Raylan Data und nicht TeraWulf selbst.
Entscheidend ist der Zeitpunkt: Die Absicherung greift je Mietvertrag erst mit Inbetriebnahme der letzten zugehörigen Datenhalle. Gestaffelte betriebsbereite Übergaben sind von Ende 2027 bis zum zweiten Quartal 2028 vorgesehen. Die Vereinbarung stärkt damit die Grundlage für die geplante Finanzierung, ersetzt aber nicht die Fertigstellung des Campus.
Hinzu kommen vertragliche Einschränkungen für Googles Ausstiegsoption. Die Unterstützung ist somit an konkrete Voraussetzungen gebunden und keine pauschale Übernahme sämtlicher Projektrisiken. Für Anleger bleibt die Unterscheidung zwischen gesicherten Mietverpflichtungen und erfolgreicher Projektumsetzung zentral.
Baukosten und Quartalsbericht bleiben entscheidend
Parallel schloss TeraWulf gestern einen endgültigen Vertrag mit Fluor über Planung, Beschaffung, Bau, Tests und Inbetriebnahme. Er umfasst drei Rechenzentrumsgebäude. Die garantierten Höchstpreise werden erst im weiteren Verlauf von Planung und Beschaffung festgelegt.
Laut Fluor laufen bereits frühe Bauarbeiten. Das Unternehmen übernimmt Kostenüberschreitungen bis zu einem festgelegten Anteil seines Gewinns. Diese Regelung begrenzt einen Teil des Ausführungsrisikos, verlagert es aber nicht vollständig vom Projekt weg.
Für den 6. November ist TeraWulfs Bericht zum dritten Quartal geplant. Damit folgt auf die vertraglichen Fortschritte unmittelbar ein finanzieller Prüfpunkt. Entscheidend bleibt, wie sich die langfristigen Mietvereinbarungen mit dem Kapitalbedarf während des Baus verbinden lassen. Bernstein hält am positiven Anlageurteil fest, verlangt dafür aber einen deutlich niedrigeren Bewertungsansatz.
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