Der US-Elektroautohersteller Tesla steht erneut im Fokus der Regulierungsbehörden. Nachdem gestern bekannt wurde, dass mehr als 20.000 Fahrzeuge in den USA wegen zu heller Abblendlichter zurückgerufen werden müssen, steht das Unternehmen auch wegen einer laufenden Untersuchung zur Fahrzeugaufhängung unter Druck.

Während Analysten die Fortschritte beim autonomen Fahren loben, bleiben wirtschaftliche Kennzahlen wie die Bruttomarge ein Sorgenkind am Kapitalmarkt.

Scheinwerfer-Problem erfordert physische Reparatur

Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA (National Highway Traffic Safety Administration) hat den Rückruf von insgesamt 20.349 Fahrzeugen der Typen Model 3 und Model Y gemeldet. Betroffen sind vor allem das Model Y aus den Baujahren 2020 bis 2023 sowie rund 1.600 Einheiten des Model 3, die zwischen 2017 und 2023 produziert wurden.

Grund für die Maßnahme ist eine zu hohe Lichtintensität der Abblendlichter, die in bestimmten Zonen bis zu 230,1 Candela erreicht und damit den gesetzlichen Grenzwert von 125 Candela deutlich überschreitet.

Laut den Behördenberichten kann die übermäßige Helligkeit die Sicht entgegenkommender Fahrer beeinträchtigen und so das Unfallrisiko erhöhen. Eine Besonderheit dieses Rückrufs liegt in der technischen Umsetzung: Im Gegensatz zu vielen früheren Problemen, die Tesla per Software-Update über das Internet lösen konnte, ist in diesem Fall eine physische Nachbesserung an der Hardware erforderlich.

Eine endgültige Lösung befindet sich laut Unternehmensangaben noch in der Entwicklung. Betroffene Fahrzeughalter sollen bis zum 15. September benachrichtigt werden.

Zusätzlich belastet eine bereits seit Juli 2026 laufende Untersuchung der NHTSA die Stimmung. Dabei geht es um potenzielle Defekte an der Radaufhängung, die weltweit bis zu 1,2 Millionen Fahrzeuge betreffen könnten. Diese regulatorischen Hürden treffen das Unternehmen in einer Phase, in der die Aktie im laufenden Jahr bereits deutlich an Boden verloren hat und mit einem Minus von 26,35 Prozent seit Jahresbeginn aufwartet.

Morgan Stanley sieht Klärungsbedarf bei der Skalierung

Trotz der operativen Rückschläge gibt es positive Signale aus dem Bereich der Software-Entwicklung. Analyst Andrew Percoco von Morgan Stanley wies darauf hin, dass die sogenannte Attach-Rate für das „Full Self-Driving“-System (FSD) in Nordamerika mit 55 Prozent deutlich über den ursprünglichen Erwartungen von etwa 25 bis 30 Prozent liegt. Tesla nähert sich zudem der Marke von 10 Milliarden kumulierten FSD-Meilen, wobei täglich rund 19 Millionen Meilen hinzukommen.

Dennoch bestätigt Morgan Stanley das „Hold“-Rating für das Papier mit einem Kursziel von 400 US-Dollar. Die Experten begründen ihre Zurückhaltung mit schwächeren Bruttomargen und hohen Ausgaben für Forschung und Entwicklung, die zu einem negativen freien Cashflow führen könnten.

Investoren benötigten messbare Beweise für die Skalierbarkeit des Robotaxi-Geschäfts und des humanoiden Roboters Optimus, bevor eine Neubewertung der Aktie gerechtfertigt sei. Auch das Analysehaus DBS stuft den Wert mit einem Kursziel von 330 US-Dollar als Halteposition ein.

Spekulationen um SpaceX-Zusammenschluss und China-Geschäft

Für neues Interesse unter langfristig orientierten Anlegern sorgte jüngst ARK Invest. Das Investmenthaus unter der Leitung von Cathie Wood prognostiziert, dass eine Ankündigung über einen Zusammenschluss von Tesla und SpaceX bis Ende 2026 erfolgen könnte. Belegt wird die enge Verzahnung der Musk-Unternehmen unter anderem durch den Kauf von Tesla Megapacks durch SpaceX im Wert von 295 Millionen US-Dollar im zweiten Quartal 2026.

Parallel dazu dementierte Elon Musk Gerüchte über eine mögliche Abspaltung des China-Geschäfts. Die Gigafactory in Shanghai bleibt ein zentraler Pfeiler des Konzerns und liefert weiterhin mehr als 50 Prozent der weltweiten Auslieferungen. In Texas plant Tesla unterdessen den Ausbau seiner Energie-Sparte durch die Solarfabrik „Project Crystal Sun“, für die Investitionen von rund 10,1 Milliarden US-Dollar vorgesehen sind.

An der Börse notiert die Aktie mit 289,25 Euro derzeit rund 17,27 Prozent unter ihrem gleitenden Durchschnitt der letzten 200 Tage. Ob die technologischen Ambitionen im Bereich der künstlichen Intelligenz und der Robotik die kurzfristigen Sorgen über Margen und Rückrufe überwiegen können, bleibt die entscheidende Frage für die kommenden Quartale.