Tesla wollte die Ermittlungen gegen einen IG-Metall-Vertreter neu aufrollen lassen – und ist damit gescheitert. Die Generalstaatsanwaltschaft Brandenburg hat eine entsprechende Beschwerde des Autobauers zurückgewiesen. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die angespannte Stimmung zwischen Tesla und der Gewerkschaft im Werk Grünheide, während parallel auch die Analystenlandschaft skeptischer wird.
Ermittlungen bleiben eingestellt
Der Streit reicht zurück in den Winter, als sich die Betriebsratswahl im einzigen deutschen Tesla-Werk zuspitzte. Tesla warf einem IG-Metall-Sekretär vor, er habe am 10. Februar heimlich eine Betriebsratssitzung mit seinem Laptop aufgezeichnet, und erstattete Strafanzeige. Das Landeskriminalamt Brandenburg wertete das Gerät aus – und fand keine gespeicherten Aufnahmen, auch keine Hinweise auf eingeschaltete Mikrofone.
Tesla legte gegen die Einstellung des Verfahrens Beschwerde ein, scheiterte damit aber vor der Generalstaatsanwaltschaft. Bei der Betriebsratswahl selbst setzte sich die nicht gewerkschaftlich organisierte Liste „Giga United“ durch. Im Werk arbeiten mittlerweile knapp 11.000 Beschäftigte, weitere 3.500 Stellen sollen im Zuge des geplanten Produktionshochlaufs und des Ausbaus der Batteriezellfertigung entstehen.
Analysten werden vorsichtiger
Während der Rechtsstreit für Schlagzeilen sorgt, korrigieren Analysten ihre Erwartungen an die Aktie nach unten. RBC senkte das Kursziel von 500 auf 480 Dollar, beließ die Einstufung aber bei „Outperform“. Begründet wird der Schritt mit niedrigeren Schätzungen für das Robotaxi-Geschäft – gleichzeitig verweist RBC-Analyst Tom Narayan auf mögliche Synergien, sollte Tesla enger mit SpaceX zusammenrücken, etwa bei vernetzten Fahrzeugen, autonomem Fahren und humanoiden Robotern. Auch die Deutsche Bank kappte ihr Kursziel und verwies auf Verzögerungen bei zentralen Zukunftsprojekten.
Der Vorsichtsmodus der Banken passt zum Bild der jüngsten Quartalszahlen: Tesla hatte Ende Juli höhere Kosten gemeldet, die den Gewinn belasteten, während die Erlöse zulegten. Genau diese Diskrepanz zwischen wachsendem Umsatz und schrumpfender Marge nährt die Debatte, wie viel von Teslas Bewertung tatsächlich auf das laufende Autogeschäft entfällt und wie viel auf Zukunftsversprechen wie Robotaxi und KI.
SpaceX als Belastungsfaktor im Hintergrund
Zusätzlichen Gesprächsstoff liefert der Kursverfall bei SpaceX, dessen Aktie seit dem Rekordhoch von 225,64 Dollar im Juni auf zuletzt 113,50 Dollar gefallen ist. Der damit verbundene Marktwertverlust von rund 1,2 Billionen Dollar entspricht in etwa der gesamten Marktkapitalisierung von Tesla. Da Elon Musk beide Unternehmen führt und Spekulationen über ein engeres Zusammengehen kursieren, strahlt die Schwäche bei SpaceX auf die Wahrnehmung der Tesla-Aktie aus, auch wenn es sich um separate Börsenwerte handelt.
Nicht alle Marktteilnehmer sehen die Entwicklung negativ. Der Investor Christopher Tsai von Tsai Capital ordnet Tesla trotz hoher Bewertungsmultiplikatoren als eine Art Value-Aktie neuen Typs ein – mit Verweis auf das profitable Kerngeschäft, das Investitionen in Zukunftsfelder wie Full Self-Driving und die Trainingsplattform Dojo finanziere. Diese Einschätzung steht im Kontrast zu Warnungen anderer Marktbeobachter, die bei weit in die Zukunft reichenden Wachstumsversprechen zur Vorsicht raten.
Der nächste Termin mit Signalwirkung fällt auf den 4. August, wenn SpaceX seine erste Quartalszahlen seit dem Börsengang vorlegt – ein Ereignis, das wegen der engen Verflechtung beider Musk-Unternehmen auch für die Tesla-Aktie relevant werden dürfte.
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