Reuters hat enthüllt, was Tesla offiziell noch nicht bestätigt: Der Konzern entwickelt ein kompaktes, günstiges Elektro-SUV — und dreht damit eine Entscheidung zurück, die Elon Musk erst 2024 getroffen hatte. Damals strich er ein ähnliches Projekt zugunsten des Robotaxi-Programms. Nun scheint der Marktdruck stärker zu sein als die Autonomie-Vision.
Das geplante Fahrzeug
Laut vier mit dem Vorgang vertrauten Personen hat Tesla bereits Zulieferer kontaktiert, um das Projekt zu besprechen. Das Fahrzeug soll rund 4,28 Meter lang sein — deutlich kompakter als das meistverkaufte Model Y — und deutlich unter dem aktuellen Model-3-Einstiegspreis von 37.000 US-Dollar liegen. Um diesen Preispunkt zu erreichen, plant Tesla eine kleinere Batterie, einen einzelnen Elektromotor statt zwei und ein Gewicht von rund 1,5 Tonnen, verglichen mit etwa zwei Tonnen beim Model Y.
Produziert werden soll das Fahrzeug zunächst in China, mit möglicher Ausweitung auf die USA und Europa. Allerdings befindet sich das Projekt noch in einem frühen Stadium. Ob Tesla die Produktion offiziell freigegeben hat, konnte Reuters nicht klären — ein Start vor 2026 gilt als ausgeschlossen.
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Bemerkenswert ist der Dual-Purpose-Ansatz: Das Fahrzeug soll sowohl autonom als auch manuell steuerbar sein. Tesla erkennt damit an, dass viele Märkte noch Jahre von einer breiten regulatorischen Akzeptanz autonomer Fahrzeuge entfernt sind.
Schwacher Jahresstart, gespaltene Analysten
Der Hintergrund dieser Kehrtwende ist ein deutlicher Rückgang der Lieferzahlen. Nach 1,81 Millionen Auslieferungen im Jahr 2023 fiel der Wert 2025 auf 1,636 Millionen. Im ersten Quartal 2026 lieferte Tesla nur 358.023 Fahrzeuge aus — bei einer Produktion von über 408.000 Einheiten. Die daraus resultierende Lücke von mehr als 50.000 Fahrzeugen ist der größte Produktionsüberhang in der Unternehmensgeschichte. Chinesische Konkurrenten wie BYD drängen aggressiv in das günstige Preissegment, was den Druck auf Tesla weiter erhöht.
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Die Tesla-Aktie hat seit Jahresbeginn rund 21 Prozent verloren und steuert auf die achte Verlustwoche in Folge zu.
Die Analystengemeinschaft ist tief gespalten. JPMorgan-Analyst Ryan Brinkman hält an seinem Kursziel von 145 US-Dollar fest — ein implizites Abwärtspotenzial von rund 60 Prozent — und verweist auf das Auslaufen des 7.500-Dollar-Steuervorteils für E-Autos, chinesischen Wettbewerbsdruck und Reputationsrisiken durch Musks politisches Engagement. Wedbush-Analyst Dan Ives sieht dagegen ein Kursziel von 600 US-Dollar und setzt auf Teslas KI-Infrastruktur sowie einen Robotaxi-Rollout in mehr als 30 US-Städten noch 2026. Morgan Stanley bleibt mit einem Kursziel von 415 US-Dollar neutral.
Earnings am 22. April
Am 22. April 2026 präsentiert Tesla die vollständigen Quartalsergebnisse. Analysten erwarten einen Gewinnanstieg je Aktie von 48 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 0,39 US-Dollar sowie Umsätze von 22,69 Milliarden US-Dollar. Im Mittelpunkt stehen dabei der Lagerabbau, die Margenentwicklung und konkrete Zeitpläne für Robotaxi und KI-Projekte — Themen, bei denen Tesla zuletzt mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet hat.
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