Über 50 Prozent Marktanteil im US-Elektroauto-Markt klingt nach einem Triumph. Der Blick auf die Auslieferungszahlen relativiert die Erzählung aber deutlich. Tesla gewinnt Boden gut, weil die Konkurrenz sich zurückzieht – nicht weil die eigene Nachfrage anzieht.
Ein Sieg durch Rückzug der anderen
Bis Ende August entfielen 52 Prozent aller in den USA verkauften Elektrofahrzeuge auf Tesla, im Vorjahr waren es 43 Prozent. Der Zugewinn täuscht aber über ein strukturelles Problem hinweg: Teslas eigene Auslieferungen sanken um 16 Prozent auf 325.351 Fahrzeuge. Der Gesamtmarkt für Elektroautos brach im selben Zeitraum um rund 30 Prozent ein – Tesla schrumpft also langsamer als der Rest.
Ford, General Motors und weitere Hersteller fahren ihre verlustreichen E-Auto-Programme zurück, seit staatliche Förderungen ausgelaufen sind. Das öffnet Tesla Marktanteile, ohne dass eigenes Wachstum dahintersteckt.
Stabilisierend wirkt vor allem das Model Y, dessen Verkäufe im Jahresverlauf nur um 2 Prozent zurückgingen und das rund ein Drittel aller US-Elektroautoverkäufe ausmacht. Beim Model 3 brachen die Verkäufe dagegen um 34 Prozent ein, vom Cybertruck wurden lediglich 9.769 Einheiten abgesetzt. Model S und Model X laufen ohne Nachfolger aus.
Roadster: fünfter Termin in diesem Jahr
Parallel zur Marktanteils-Debatte sorgt ein altbekanntes Thema für neue Aufmerksamkeit. Auf der Roadster-Produktseite läuft seit dem Wochenende ein Countdown auf den 1. Oktober 2026, Elon Musk bestätigte die Enthüllung per Kurzbotschaft. Es ist bereits das fünfte Datum, das Tesla in diesem Jahr für den Roadster genannt hat – nach April, Ende April, „in etwa einem Monat“ und August. Seit der ursprünglichen Ankündigung 2017 wurde der Termin mindestens acht Mal verschoben.
Die technischen Eckdaten auf der Produktseite blieben dabei unverändert: 2,1 Sekunden auf 100 km/h, über 400 km/h Höchstgeschwindigkeit, 1.000 Kilometer Reichweite. Der Rimac Nevera R hatte die einstige Beschleunigungs-Bestmarke bereits im Juli 2025 klar unterboten, prominente Reservierungsinhaber wie Marques Brownlee und Sam Altman sollen ihre Bestellungen storniert haben.
Analysten bleiben gespalten
Der Konsens unter 26 Analystenhäusern liegt bei Buy, mit elf Buy-, zwölf Hold- und drei Sell-Einstufungen. Das mittlere Kursziel beträgt 377,08 US-Dollar, die Spanne reicht von 24,86 bis 505 US-Dollar.
Morgan Stanley und Barclays stuften die Aktie zuletzt mit Hold ein und nannten Kursziele von 400 beziehungsweise 370 US-Dollar. JPMorgan sah die Aktie ebenfalls bei Hold mit einem Ziel von 445 US-Dollar, während RBC Capital bei Buy blieb und 480 US-Dollar ausgab.
Die Aktie liegt seit Jahresbeginn über 19 Prozent im Minus. Der wiedergewonnene Marktanteil stärkt Teslas Position gegenüber schwächelnden Rivalen, das grundlegende Nachfrageproblem im eigenen Modellportfolio löst er damit nicht.
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