JPMorgan hat heute eine der deutlichsten Kehrtwenden vollzogen, die eine Großbank bei Tesla je vollbracht hat. Das Kursziel sprang von 145 auf 475 Dollar — ein Anstieg von über 200 Prozent. Das Rating kletterte von „Underweight“ auf „Neutral“. Und doch: Die Aktie reagierte vorbörslich kaum.
Nicht mehr das Autogeschäft, das zählt
Analyst Rajat Gupta, der die Coverage erst letzten Monat übernahm, begründet den Schritt mit einem grundlegenden Umdenken über Teslas Bewertungsgrundlage. Das klassische Elektrofahrzeuggeschäft verliert seiner Einschätzung nach an Gewicht. Was zählt, sind künftige Erlösquellen: Robotaxis, humanoide Roboter, KI-Chips und Softwarelizenzierung.
Gupta hebt besonders Teslas vertikale Integration hervor — die durchgehende Kontrolle über Hard- und Software in einer Tiefe, die unter Technologieunternehmen einzigartig sei. Dieser Vorteil werde vom Markt noch immer unterschätzt.
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Die konkreten Projektionen sind ambitioniert. Der Gewinn je Aktie könnte laut JPMorgan von rund 1,95 Dollar im Jahr 2026 auf etwa 7,50 Dollar bis 2030 klettern — fast eine Verdreifachung. Der Umsatz soll sich im gleichen Zeitraum von rund 95 Milliarden Dollar auf etwa 203 Milliarden Dollar mehr als verdoppeln. Knapp die Hälfte dieses Wachstums soll aus Diensten und Autonomieprojekten kommen, nicht aus dem Fahrzeugverkauf.
Zweites Upgrade am selben Tag
Parallel dazu stufte die Erste Group Tesla von „Sell“ auf „Hold“ hoch. Analyst Hans Engel verweist auf verbesserte Absatzzahlen und steigende operative Margen. Der Serienanlauf der Cybercabs sowie der Tesla Semi soll 2026 planmäßig starten.
Engel dämpft jedoch allzu große Euphorie: Bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 386 sei die Bewertung bereits extrem hoch. Das begrenze weiteres Kurspotenzial erheblich.
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Weitere Unterstützung kommt von TD Cowen, das seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 490 Dollar bestätigt. Hintergrund ist dort ein möglicher neuer Model-Y-Variant mit drei Sitzreihen, der in den USA auf Stückzahlen zwischen 60.000 und 135.000 Einheiten kommen könnte — sofern er eingeführt wird.
Umsetzungsrisiken bleiben real
JPMorgan betont ausdrücklich, dass die Wachstumsstory hohe Ausführungsrisiken trägt. Regulatorische Zulassungen, Sicherheitsnachweise und das Hochskalieren neuer Technologien gelten als zentrale Hürden. Kurz gesagt: Das adressierbare Gesamtmarktpotenzial von geschätzten 3,9 Billionen Dollar bis 2035 — aufgeteilt auf Automotive, Energiespeicher, Robotaxis, Humanoide und Infrastrukturlizenzierung — ist nur dann erreichbar, wenn die Umsetzung gelingt.
Für Tesla selbst dürfte der Jahresverlauf 2026 zur Nagelprobe werden: Der Anlauf der Cybercab-Serienproduktion ist angekündigt, und Teslas Absatzdaten aus dem April zeigen mit 98.400 verkauften Fahrzeugen, dass das Unternehmen zumindest im BEV-Markt weiter zu den Marktführern zählt. Das große Gewinnwachstum aber, das die Neubewertung rechtfertigen soll, erwartet JPMorgan erst ab 2028.
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