Tesla lieferte im zweiten Quartal so viele Fahrzeuge aus wie nie zuvor — und trotzdem rutschte die Aktie am Montag ab. Der Grund liegt tiefer als in der reinen Stückzahl: Anleger fürchten, dass der Absatzrekord teuer erkauft wurde. Am Mittwoch, den 22. Juli, nach US-Börsenschluss, muss der Autobauer die Zahlen dazu liefern.

480.126 ausgelieferte Fahrzeuge — rund 74.000 mehr als von Wall Street erwartet. Die Aktie fiel am Montag dennoch um 1,8 Prozent. Der Markt blickt offenbar nicht auf die Menge, sondern auf die Marge dahinter.

Analystenbild bleibt gespalten

Deutsche-Bank-Analyst Edison Yu rechnet mit einem bereinigten Gewinn je Aktie von lediglich 0,36 Dollar — deutlich unter dem Konsens von 0,54 Dollar. Er verweist auf aggressive Finanzierungsanreize sowie steigende Kosten für Lithium und Kupfer.

Bei den Kurszielen zeigt sich die Kluft noch deutlicher. Morgan Stanley bestätigt „Equal-Weight“ bei einem angehobenen Kursziel von 417 Dollar und setzt auf Robotaxi und Optimus als langfristige Werttreiber. Wells Fargo bleibt bei „Underweight“ mit einem Kursziel von 130 Dollar und warnt, Einmaleffekte und Preisdruck könnten die Mengenvorteile auffressen. Bank of America hob zwar die mehrjährigen Umsatzschätzungen an, sieht aber beim Cashflow eine deutliche Belastung voraus.

Kapitalausgaben als Belastung

Für 2026 plant Tesla Investitionen von über 25 Milliarden Dollar — nahezu eine Verdreifachung gegenüber rund 9 Milliarden Dollar im Vorjahr. Bank of America rechnet vor, dass der freie Cashflow von plus 6,2 Milliarden Dollar im Jahr 2025 auf minus 10,3 Milliarden Dollar in diesem Jahr kippt. Der Optionsmarkt preist rund um den Quartalsbericht eine Kursbewegung von 7,6 Prozent in beide Richtungen ein.

Nicht alle Marktteilnehmer blicken nur auf das kommende Quartal. Der Vermögensverwalter Christopher Tsai von Tsai Capital, seit 2020 in Tesla investiert, argumentiert, klassische Kurs-Gewinn-Verhältnisse führten bei dem Autobauer in die Irre — weil das profitable Kerngeschäft mit Elektroautos margenintensive Zukunftsfelder wie das KI-System Dojo und die Full-Self-Driving-Technologie querfinanziere. Er räumt allerdings ein, dass die Erfolgswahrscheinlichkeit solcher Wetten auf künftige KI-Dominanz nur bei ein bis fünf Prozent liege.

Am Mittwoch nach US-Börsenschluss folgen die Zahlen. Im Mittelpunkt stehen die Bruttomarge im Autogeschäft, das Tempo beim Robotaxi-Ausbau und die Frage, ob sich die geplanten Kapitalausgaben von über 25 Milliarden Dollar schon in diesem Jahr auszahlen.