Goldman Sachs hebt die Lieferprognose an, ARK Invest kauft nach kurzer Pause wieder ein — und trotzdem verliert die Tesla-Aktie auf Wochensicht rund ein Prozent. Der Grund liegt in einem regionalen Riss, der sich durch alle positiven Nachrichten zieht.

Goldman sieht Europa vorn, USA als Schwachstelle

Goldman-Analyst Mark Delaney erhöhte die Q2-Lieferschätzung für Tesla auf 420.000 Fahrzeuge. Zuvor lag sie bei 405.000 Einheiten — der Konsens der Analysten steht bei 400.000. Die Daten aus den wichtigsten Märkten lieferten die Grundlage für die Revision.

Europa war dabei der klarste Lichtblick. Die Zulassungszahlen durch Mai zeigen ein Wachstum von rund 85 bis 90 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allerdings hilft hier ein Basiseffekt: Im Q2 2025 waren Teslas europäische Lieferungen um 29 Prozent eingebrochen. In China wuchsen die Auslieferungen laut Daten des China Passenger Car Association im hohen einstelligen Bereich.

Die USA erzählen eine andere Geschichte. Dort lagen die Lieferungen durch Mai rund 15 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Das ist die einzige Region mit negativem Vorzeichen — und sie bleibt das zentrale Risiko für die Gesamtbilanz.

Goldman bleibt neutral — und das sagt viel

Trotz der höheren Lieferschätzung änderte Goldman Sachs weder das Rating noch das Kursziel. Die Bank hält an „Neutral“ und einem Ziel von 375 Dollar fest. Die Gewinnschätzung für 2026 stieg leicht auf 1,35 Dollar je Aktie. Das Signal dahinter: Goldman wertet den erwarteten Q2-Lieferanstieg als bereits eingepreist — kein Katalysator für eine Neubewertung.

Die offiziellen Lieferzahlen für Q2 erscheinen Anfang Juli. Zum Vergleich: Im Q2 2025 lieferte Tesla 384.122 Fahrzeuge aus. Die neue Schätzung würde einem Anstieg von rund 9 Prozent entsprechen.

ARK dreht nach SpaceX-Verkäufen wieder bei

Cathie Woods ARK Invest kaufte am 18. Juni rund 55.000 Tesla-Aktien für etwa 21,7 Millionen Dollar. Das ist eine direkte Kehrtwende. In der Woche zuvor hatte ARK Teile seiner Tesla-Position abgebaut — als Reaktion auf den Börsengang von SpaceX.

Tesla bleibt die größte Einzelposition im ARK Innovation ETF mit einem Gewicht von 9,7 Prozent. ARK hält an seiner langfristigen These fest: Robotaxis, Robotik und Energiespeicher sollen Tesla bis 2029 auf einen Kurs von 2.600 Dollar tragen.

Technisch am Scheideweg, fundamental mit Altlasten

Die Aktie schloss die Woche bei 347,50 Euro — knapp über dem 50-Tage-Durchschnitt von 346,86 Euro. Der RSI liegt bei 47,8, die annualisierte Volatilität bei knapp 42 Prozent. Kein klares Signal in die eine oder andere Richtung.

Im Hintergrund lastet noch das Q1-Erbe. Tesla lieferte im ersten Quartal 358.023 Fahrzeuge aus und verfehlte damit die Erwartungen. Produziert wurden rund 50.000 Einheiten mehr als ausgeliefert — fast vollständig im Model-3/Y-Segment. Ob Q2 diesen Lageraufbau abbaut, werden die Juli-Zahlen zeigen.

Die Q1-Umsätze lagen bei 22,38 Milliarden Dollar, der Non-GAAP-Gewinn bei 0,41 Dollar je Aktie. Beides übertraf leicht die Erwartungen. Das gibt etwas Rückenwind — sofern die US-Nachfrage nicht weiter nachgibt.