Der US-Elektroautohersteller Tesla sieht sich mit einer defensiveren Einschätzung seiner kurzfristigen Gewinnentwicklung konfrontiert. Analysten von Zacks Research senkten am heutigen Montag ihre Prognose für den Gewinn je Aktie im dritten Quartal 2026 auf 0,19 US-Dollar, nachdem zuvor 0,22 US-Dollar erwartet worden waren.
Auch die Erwartungen für das gesamte Geschäftsjahr wurden auf 0,58 US-Dollar nach unten korrigiert. Hintergrund dieser Anpassungen ist der zunehmende Margendruck, der aus massiven Investitionen in die Bereiche Künstliche Intelligenz (KI) und Robotik resultiert.
Margendruck durch strategische Neuausrichtung
Die jüngsten Geschäftszahlen für das zweite Quartal unterstreichen die Herausforderungen des Konzerns. Zwar stieg der Umsatz im Jahresvergleich um 25,5 Prozent auf 28,24 Milliarden US-Dollar, doch der Gewinn je Aktie blieb mit 0,33 US-Dollar deutlich hinter dem Analystenkonsens von 0,50 US-Dollar zurück. Besonders auffällig ist die Entwicklung der Profitabilität: Die operative Marge sank auf 1,41 Prozent, während die Bruttomarge bei 16,83 Prozent lag.
Dieser Rückgang wird primär auf die hohen Ausgaben für die KI-Infrastruktur und die Aktienvergütung für Mitarbeiter zurückgeführt. In der Folge verzeichnete Tesla erstmals seit über zwei Jahren einen negativen freien Cashflow.
Trotz dieser finanziellen Belastungen setzt das Unternehmen seinen Kurs in Richtung autonomes Fahren und Robotik fort. So kaufte etwa das Raumfahrtunternehmen SpaceX im zweiten Quartal Tesla Megapacks im Wert von 295 Millionen US-Dollar, um die Energieversorgung für das eigene KI-Rechenzentrum „Colossus“ sicherzustellen.
Produktionsstart für Optimus und Fortschritte beim Cybercab
Parallel zur finanziellen Konsolidierung treibt Tesla die Hardware-Entwicklung voran. In Fremont hat im laufenden dritten Quartal die Produktion des humanoiden Roboters „Optimus Gen 3“ begonnen. Hierfür wurden bestehende Fertigungslinien der Modelle S und X umgerüstet.
Ziel des Unternehmens bleibt eine langfristige Produktionskapazität von einer Million Einheiten pro Jahr. In der sogenannten „Optimus Academy“ werden die Roboter zudem intern für komplexe Aufgaben trainiert.
Auch beim Projekt Robotaxi gibt es neue Datenpunkte. Am gestrigen Sonntag wurde in San Diego ein Cybercab mit der Fahrzeugidentifikationsnummer (VIN) 2172 gesichtet. Die Produktion des Modells läuft seit dem 24. April in der Gigafactory Texas, wobei Tesla auf das neue „Unboxed“-Fertigungsverfahren setzt.
Mit einer installierten Jahreskapazität von über 125.000 Einheiten strebt Tesla langfristig eine Produktion von zwei Millionen Cybercabs pro Jahr an. Bisher wurden in den ersten dreieinhalb Monaten seit Produktionsstart schätzungsweise 2.000 Einheiten gefertigt.
Analysten bleiben bei abwartender Haltung
An der Börse spiegelt sich die aktuelle Übergangsphase in einer gedämpften Kursentwicklung wider. Der aktuelle Kurs von 287,70 € liegt mit einem Abstand von 17,94 % unter dem gleitenden 200-Tage-Durchschnitt, was den anhaltenden Abwärtstrend der vergangenen Monate verdeutlicht. Das Papier notiert zudem 32,16 % unter seinem 52-Wochen-Hoch von 424,10 €, das im Dezember des vergangenen Jahres markiert wurde.
Trotz der operativen Schwierigkeiten bleibt das Interesse institutioneller Investoren bestehen, wenn auch mit unterschiedlichen Vorzeichen. Während Centurion Wealth Management seine Position im zweiten Quartal um rund 42 Prozent reduzierte, stockte Cardano Risk Management seine Anteile deutlich auf.
Der Analystenkonsens verharrt derzeit auf „Hold“, wobei das durchschnittliche Kursziel mit rund 401,74 US-Dollar weiterhin deutlich über dem aktuellen Niveau liegt. Ein weiterer Fokus der Anleger richtet sich auf das Projekt „Crystal Sun“, für das Tesla eine staatliche Förderung für eine zehn Milliarden US-Dollar teure Solarzellenfabrik in Texas beantragt hat.
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