40 Prozent Kursverlust in sieben Tagen. Das ist kein normaler Rücksetzer. Bei The Platform Group häufen sich Kreditkündigungen, staatsanwaltschaftliche Prüfungen und eine offene Milliardenübernahme — alles gleichzeitig, alles im Juni.
AEP-Übernahme: Genehmigt, aber nicht abgeschlossen
Die kartellrechtliche Freigabe für die Übernahme des Pharmagroßhändlers AEP liegt vor. Die Finanzierungsstruktur steht noch nicht. Ende Juni läuft die selbst gesetzte Frist ab.
Der Deal ist strategisch entscheidend. AEP soll rund 1,1 Milliarden Euro Jahresumsatz beisteuern. Bei Vollzug würde das Gross Merchandise Volume auf 3,0 Milliarden Euro steigen — gegenüber der bisherigen Planung von 1,7 Milliarden Euro. Ohne Abschluss bleibt das Unternehmen bei dieser niedrigeren Prognose. Die Wachstumsstory verliert ihren Kern.
Kreditkündigungen und Betrugsvorwürfe
Parallel dazu eskaliert die institutionelle Krise. Die LBBW hat Darlehen außerordentlich gekündigt und fordert rund 6,75 Millionen Euro zurück. Die Sparkasse Essen macht eine Forderung von etwa 5,1 Millionen Euro geltend. Weitere Kreditinstitute zogen nach.
Die Staatsanwaltschaft Chemnitz prüft eine Strafanzeige wegen möglicher Urkundenfälschung und Betrug. Mehrere Geschäftsführer von Tochtergesellschaften bestreiten, Mithaftungserklärungen unterschrieben zu haben. Die BaFin hat ebenfalls einen Hinweis zu den fraglichen Dokumenten erhalten.
Das Management weist alle Vorwürfe strikt zurück. Ein gerichtliches Eilverfahren soll die weitere Verbreitung der Anschuldigungen stoppen.
Starke operative Zahlen, schwache Börsenstimmung
Das Geschäft läuft. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 51 Prozent auf 243 Millionen Euro. Das bereinigte EBITDA legte um 37 Prozent auf 21,8 Millionen Euro zu. Das Konzernergebnis gab leicht nach — von 18,2 auf 17,7 Millionen Euro.
Kein Wunder, dass Anleger nervös reagieren: Die Aktie notiert bei 1,41 Euro, rund 75 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 5,60 Euro. Der RSI liegt bei 22 — tief im überverkauften Bereich.
Das Management zieht beim Akquisitionstempo die Bremse. Statt elf Zukäufe pro Jahr plant der Vorstand für 2026 nur noch fünf bis sechs. Der Fokus liegt auf Integration und Schuldenabbau. Das Verhältnis von Nettofinanzverbindlichkeiten zu bereinigtem EBITDA soll bis 2030 von aktuell 2,1x auf 1,0x bis 1,4x sinken.
Hauptversammlung am 1. Juli
Am 1. Juli treffen sich die Aktionäre in Düsseldorf. Auf der Tagesordnung stehen Kapitalmaßnahmen: neues genehmigtes und bedingtes Kapital sowie die Ermächtigung für Wandel- und Optionsanleihen. Ursprünglich wollte das Management eine neue Segmentstruktur vorstellen. Angesichts der Lage dürften die Aktionäre klare Antworten zu den Betrugsvorwürfen einfordern.
Ob das AEP-Closing bis dahin steht, entscheidet den Ton der Versammlung — und möglicherweise auch, ob der Vorstand sie als Angeschuldigter oder als Dealmaker betritt.
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