The Platform Group steht vor einer Bewährungsprobe. Die geplante Übernahme der AEP GmbH — ein Pharma-Großhändler mit mehr als 1,1 Milliarden Euro erwarteten Umsätzen — ist noch nicht abgeschlossen. Zwei aktuelle Analysen zeigen: Die Closing-Bedingungen sind nicht erfüllt, die Finanzierung nicht finalisiert.
Term Sheets liegen vor, Abschluss verzögert sich
NuWays verwies in seiner Analyse auf weiteren Fortschritt im Juni, den das Management in Aussicht gestellt habe. First Berlin berichtet von mehreren Term Sheets, die das Unternehmen derzeit prüfe. Das Closing erwarte man spät im zweiten Quartal oder im frühen dritten Quartal.
Die Verzögerung verschiebt den Fokus. Statt Wachstumskennzahlen steht jetzt die Frage im Raum: Wie finanziert The Platform Group den Ausbau im Pharma-Großhandel? Und startet die Integration wie geplant?
AEP betreibt eine B2B-Großhandelsplattform für die pharmazeutische Industrie und beliefert mehrere tausend Apotheken in Deutschland. Nach Abschluss will The Platform Group ein eigenständiges Segment für pharmazeutische Aktivitäten aufbauen. Unter einer Pharma-Gruppenstruktur sollen AEP sowie bestehende pharma- und apothekennahe Aktivitäten gebündelt werden.
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Pro-forma-Prognose wartet auf Closing
Für die neue Pharma-Gruppe stellte das Unternehmen bei Abschluss der Übernahme eine Anhebung der Vergleichsgrößen für 2026 in Aussicht: GMV von rund 3,0 Milliarden Euro, Umsatz von rund 2,0 Milliarden Euro und EBITDA von 90 bis 100 Millionen Euro.
Diese erweiterte Perspektive ist noch nicht in der laufenden Prognose enthalten. In der jüngsten Quartalsmeldung bestätigte The Platform Group die bisherige Jahresprognose: GMV von 1,7 Milliarden Euro, Nettoumsatz von 1,0 Milliarden Euro und bereinigtes EBITDA von 70 bis 80 Millionen Euro. Eine Anpassung soll erst nach Bekanntgabe abgeschlossener M&A-Transaktionen erfolgen.
Schuldenabbau als neues Ziel
Parallel zur AEP-Frage rückt die Verschuldung stärker in den Fokus. NuWays schrieb, die Nettoverschuldungsquote sei im ersten Quartal auf 2,0x gesunken, nach 2,1x zum Jahresende 2025. Das Management habe ein neues Ziel von 1,0x bis 1,4x bis 2030 festgelegt. Die Analysten sehen den Weg dorthin über Portfoliovereinfachung, Schuldentilgung aus operativem Cashflow und selektive Verkäufe von Vermögenswerten.
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Die Kennzahl bezieht sich auf das Verhältnis von bereinigtem EBITDA zu Nettofinanzverbindlichkeiten ohne Leasingverbindlichkeiten. Der strategische Schwenk fällt in eine Phase, in der das Unternehmen zugleich seine Akquisitionsgeschwindigkeit reduziert. Die Zahl der für das laufende Geschäftsjahr geplanten Akquisitionen wurde auf fünf bis sechs gesenkt. Als Gründe nannte das Unternehmen höhere Zins- und Logistikkosten sowie den Plan, Bankverbindlichkeiten aktiv zu reduzieren.
Kurs unter Druck
Die Aktie notiert aktuell bei 2,88 Euro, ein Minus von 1,37 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 5,50 Euro trennen sie 47,64 Prozent. Der RSI liegt bei 39,6, die annualisierte Volatilität erreicht 109,97 Prozent.
Für Anleger liegt der nächste prüfbare Punkt damit in der Umsetzung der angekündigten Strukturmaßnahmen. Entscheidend ist, ob The Platform Group die AEP-Finanzierung finalisiert, offene Closing-Bedingungen abarbeitet und gleichzeitig den angekündigten Schuldenabbau glaubwürdig mit weiterem Wachstum im E-Commerce-, Software- und Pharma-Plattformgeschäft verbindet.
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