Ein Tagesverlust von fast 33 Prozent. Ein 52-Wochen-Tief. Und jetzt der Gegenangriff: The Platform Group geht juristisch gegen das manager magazin vor — und kündigt dabei nicht nur ein Eilverfahren an, sondern auch eine umfassende Klage mit Schadensersatzforderungen.
Vorwürfe, die das Unternehmen zurückweist
Die Kanzlei LHR hat nach eigenen Angaben den Auftrag erhalten, gegen einen am 12. Juni 2026 erschienenen Artikel presserechtlich vorzugehen. Das Eilverfahren zielt auf die weitere Verbreitung beanstandeter Aussagen. Parallel bereitet LHR eine Hauptsacheklage vor, die auch frühere Veröffentlichungen einbeziehen soll.
Der Artikel des manager magazin thematisiert laut LHR angebliche Steuerschulden, Bankverbindungen, Kreditverhältnisse und Vorgänge bei einzelnen Tochtergesellschaften. The Platform Group weist die zentralen Schlussfolgerungen zurück. Wichtig für die Einordnung: LHR vertritt das Unternehmen und den Vorstandsvorsitzenden in diesen Verfahren — die Mitteilung ist keine neutrale Quelle.
Kurs im freien Fall
Die Aktie beendete den Freitag bei 1,52 Euro — ein Tagesverlust von 32,82 Prozent. Auf Sicht von 30 Tagen beträgt das Minus rund 42 Prozent. Das 52-Wochen-Tief von 1,27 Euro markierte die Aktie ebenfalls am 12. Juni, dem Tag des Artikelerscheinens.
Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 5,60 Euro liegt bei fast 73 Prozent. Mit einem RSI von 23,4 gilt die Aktie als stark überverkauft — bei einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von über 137 Prozent.
Starke Zahlen, angespannte Finanzierung
Das operative Bild wirkt auf den ersten Blick solide. Im ersten Quartal 2026 wuchs der Nettoumsatz auf 243,1 Mio. Euro, nach 160,8 Mio. Euro im Vorjahr. Das bereinigte EBITDA kletterte auf 21,8 Mio. Euro. Für das Gesamtjahr 2026 hält das Unternehmen an einem angestrebten GMV von 1,7 Mrd. Euro und einem Nettoumsatz von 1,0 Mrd. Euro fest.
Allerdings hatte The Platform Group zuletzt selbst Finanzierung und Verschuldung als strategische Themen adressiert. Für 2025 nannte das Unternehmen einen Verschuldungsgrad von 2,1x — bis 2030 soll dieser auf 1,0x bis 1,4x sinken. Genau dieser Punkt trifft nun auf die Vorwürfe rund um Bankverbindungen und Kreditverhältnisse.
Was als nächstes kommt
In der neuen Handelswoche richtet sich der Blick auf konkrete Gerichtsbeschlüsse aus dem angekündigten Eilverfahren. Auf der Unternehmenswebsite war zuletzt die Quartalsmitteilung vom 27. Mai 2026 die jüngste Corporate-News-Meldung — eine direkte Stellungnahme über Investor Relations steht noch aus.
Am 25. Juni nimmt The Platform Group an einer Kapitalmarktkonferenz in Paris teil. Die Hauptversammlung folgt am 1. Juli 2026 in Düsseldorf — dort dürfte das Thema kaum zu umgehen sein.
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