Ein Kursverlust von fast 80 Prozent in zwölf Monaten, und trotzdem bleiben Analysten dabei: Kaufen. Bei The Trade Desk klaffen Chartbild und Erwartungshaltung selten so weit auseinander wie kurz vor den Zahlen zum zweiten Quartal 2026.
Am Montag legte die Aktie moderat zu, ein Plus von 1,79 Prozent auf 15,92 Euro. Für sich genommen ein unauffälliger Tag. Im Jahresverlauf wirkt er wie ein schwaches Lebenszeichen: Seit Jahresanfang steht ein Minus von 51,11 Prozent zu Buche.
Analysten glauben an eine Wende
Diese Woche bestätigte Evercore ISI sein Outperform-Rating für The Trade Desk – ein Vertrauensbeweis kurz vor dem Quartalsbericht. Die Bank steht damit nicht allein da. Der Analystenkonsens beim Kursziel liegt bei 21,11 Euro, das entspricht einem Potenzial von 32,6 Prozent gegenüber dem aktuellen Kurs.
Für mich ist genau das der Kernkonflikt dieser Aktie. Ein Markt, der massiv verkauft hat, steht einer Analystengemeinde gegenüber, die weiter an das Geschäftsmodell glaubt. Aktuell führen zwischen 10 und 22 Analysten eine Kaufempfehlung für die Aktie – für die Ad-Tech-Branche eine kleine, aber überzeugte Gruppe.
Charttechnik bremst die Euphorie
Wer nur auf den Analystenkonsens schaut, übersieht die charttechnische Realität. The Trade Desk notiert 4,64 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 16,70 Euro.
Vom 200-Tage-Durchschnitt bei 26,59 Euro trennen die Aktie sogar 40,13 Prozent. Bis dorthin ist es ein weiter Weg.
Seit dem 52-Wochen-Tief von 14,66 Euro im Juli hat sich der Kurs immerhin um 8,59 Prozent erholt. Der RSI von 46,6 signalisiert weder eine Überverkauft- noch eine Überkauft-Situation – der Markt sucht gerade seine Richtung.
Die annualisierte Volatilität von 47,57 Prozent bleibt dabei hoch. Wer hier einsteigt, muss diese Schwankungsbreite aushalten können.
Der Blick auf die Branche
Nicht nur The Trade Desk steht diese Woche im Rampenlicht. Der Wettbewerber Teads legt seine Zahlen ebenfalls in dieser Woche vor – ein früher Hinweis darauf, wie es um die Werbebudgets im Omnichannel-Geschäft bestellt ist. Fällt dieser Bericht schwach aus, dürfte das die Stimmung vor den eigenen Zahlen von The Trade Desk zusätzlich belasten.
The Trade Desk bleibt für mich eine Wette auf die These, dass der Ausverkauf in der Werbetechnologie-Branche überzogen war. Das Vertrauen der Analysten in das programmatische Geschäftsmodell wirkt intakt, trotz eines Absturzes von mehr als drei Vierteln seit dem Rekordhoch von 77,60 Euro im August 2025.
Damit sich das auch im Kurs niederschlägt, dürfte ein Ergebnis über den Erwartungen zum zweiten Quartal allein nicht reichen. Nötig ist ein Ausblick, der den Kurszielkonsens von 21,11 Euro fundamental untermauert. Bis dahin bleibt die Aktie gefangen zwischen frischem Tief und massivem Widerstand bei den gleitenden Durchschnitten.
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