Selten klafft die Einschätzung zwischen Insidern und der Wall Street so weit auseinander wie gerade bei The Trade Desk. Während Analysten reihenweise ihre Kursziele kürzen, investierte CEO Jeff Green Anfang März rund 148 Millionen US-Dollar seines eigenen Geldes in Aktien des Unternehmens — die größte Insider-Transaktion in der Geschichte des Adtech-Sektors.
Der Publicis-Audit und seine Folgen
Auslöser der jüngsten Kursturbulenzen war ein Audit-Bericht des Werbekonzerns Publicis. Der Bericht wirft The Trade Desk vor, Gebühren unrechtmäßig auf Dienste angewendet zu haben, in die Kunden automatisch eingeschrieben wurden — ohne deren Zustimmung. Zudem soll das Unternehmen nicht nachgewiesen haben, dass Medienkosten ohne versteckte Aufschläge abgerechnet wurden. Publicis empfahl seinen Kunden daraufhin, die Plattform zu meiden.
The Trade Desk wies die Vorwürfe zurück. Man sei sich der Fragen rund um den Audit-Prozess bewusst, erklärte das Unternehmen, doch die Behauptung, man habe den Audit nicht bestanden, sei schlicht unwahr.
Die Reaktion der Analysten fiel trotzdem deutlich aus:
- Stifel stufte die Aktie von „Buy“ auf „Hold“ herab, Kursziel von 48 auf 26 US-Dollar — mit dem Hinweis, dass Publicis über 10 % der Bruttoabrechnungen ausmacht
- Rosenblatt ebenfalls auf „Hold“, Kursziel 25 US-Dollar
- Jefferies senkte das Kursziel von 27 auf 22 US-Dollar wegen schwächerer Q1-Umsatzguidance und unerwartetem Margendruck
- Wedbush kürzte auf 23 US-Dollar und warnte vor überschätzten Vorteilen möglicher KI-Partnerschaften
- Scotiabank reduzierte das Kursziel ebenfalls und verwies auf fehlendes Geschäftsmomentum
Strukturelle Schwäche trifft auf Wachstumsverlangsamung
Das eigentliche Problem reicht tiefer als der Publicis-Streit. The Trade Desk — einst bekannt für Umsatzwachstum von 20 % und mehr — hat für das erste Quartal 2026 nur noch rund 10 % Wachstum in Aussicht gestellt. Eine überzeugende Erklärung für diese Verlangsamung blieb das Unternehmen bisher schuldig, zumal Alphabet, Meta und Amazon zuletzt starke Quartalszahlen vorlegten.
Der Kurs notiert aktuell knapp über dem 52-Wochen-Tief und hat seit Jahresbeginn rund 36 % verloren. Walled-Garden-Plattformen wie Google und Meta sowie der wachsende Wettbewerb durch Amazon setzen dem unabhängigen Demand-Side-Modell von The Trade Desk strukturell zu.
Gründer setzt auf langfristige Wette
Jeff Green sieht das offenbar anders. Zwischen dem 2. und 4. März kaufte eine mit ihm verbundene Gesellschaft sechs Millionen Aktien der Klasse A zu Durchschnittspreisen zwischen 23,49 und 25,08 US-Dollar — insgesamt rund 148 Millionen Dollar aus eigener Tasche.
In einer öffentlichen Erklärung begründete Green den Kauf mit seiner langfristigen These: The Trade Desk werde künftig Zugang zu Chatbot-Inventar und gesponserten Shopping-Listings erhalten, was den adressierbaren Markt des Unternehmens erheblich ausweiten könnte. Konkrete Substanz bekommt diese Vision durch Berichte über frühe Gespräche mit OpenAI — demnach könnte The Trade Desk die Anzeigenvermarktung für ChatGPT übernehmen, bis OpenAI eine eigene Infrastruktur aufgebaut hat. Die Nachricht ließ die Aktie kurzzeitig um mehr als 20 % steigen.
Wedbush dämpfte die Euphorie allerdings schnell: Die strukturellen Risiken seien größer als die Fantasie rund um mögliche KI-Partnerschaften.
Zahlen mit Substanz, Ausblick mit Fragezeichen
Die Fundamentaldaten des Unternehmens sind nicht ohne Stärke. 2025 stieg der Umsatz um 18 % auf 2,9 Milliarden US-Dollar, der Nettogewinn legte um 13 % auf 443 Millionen Dollar zu. Die Verschuldungsquote bleibt mit 0,18 niedrig, die Liquiditätsreserven liegen bei 658 Millionen Dollar.
Mit den Q1-2026-Ergebnissen wird The Trade Desk zeigen müssen, ob die Verlangsamung ein vorübergehendes Phänomen ist — oder ob der Vertrauensverlust bei Agenturkunden tiefere Spuren hinterlässt, als Green und sein Team bislang eingestehen.
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