Ein Analyst von Rothschild Redburn hat die Aktie von The Trade Desk mit „Sell“ eingestuft und ein Kursziel von umgerechnet rund 10 Euro gesetzt. Das impliziert ein Abwärtspotenzial von etwa 50 Prozent. Die Begründung: Das Unternehmen agiere in nur einem Glied der digitalen Werbekette – und werde von drei Seiten gleichzeitig unter Druck gesetzt.
Der Kurs reagierte prompt. Am Donnerstag fiel die Aktie um 5 Prozent auf 18,33 Euro. Damit notiert sie nur noch knapp über dem 52-Wochen-Tief von 17,17 Euro und mehr als 73 Prozent unter dem Hoch vom vergangenen August. Ein Ausmaß, das an der Börselängst die Frage nach den strukturellen Perspektiven aufwirft.
KI-Wettbewerb von drei Fronten
Die Analyse von Bianca Dallal identifiziert drei Entwicklungen, die das Geschäftsmodell des unabhängigen DSP-Anbieters zunehmend infrage stellen:
- Tech-Riesen mit KI-Tools: Google, Meta und Amazon automatisieren ihre Werbeplattformen mit KI. Werbetreibende können Kampagnen planen und buchen, ohne externe Mittler wie The Trade Desk einzuschalten.
- Amazon drängt ins Programmgeschäft: Der Konzern baut sein programmatisches Werbegeschäft massiv aus – mit Rabatten, die unabhängige Anbieter unter Druck setzen.
- Agenturen werden selbst aktiv: Große Werbeagenturen entwickeln eigene KI-gesteuerte Kaufplattformen und gehen direkte Verträge mit Angebotsseiten ein. Der klassische Mittelmann wird überflüssig.
Die Gefahr ist real: The Trade Desk erzielte im ersten Quartal zwar ein Umsatzplus von 12 Prozent auf 689 Millionen Dollar. Der Ausblick für das zweite Quartal signalisiert jedoch eine weitere Abschwächung auf nur noch rund 8 Prozent Wachstum. Vor einem Jahr lag die Rate noch bei 25 Prozent.
Die Marktteilnehmer richten den Blick nun auf die Frage, ob dieser Abschwung vorübergehend ist – oder ob The Trade Desk dauerhaft Marktanteile an die KI-getriebenen Ökosysteme der Tech-Giganten verliert. Dass ein großer Investmentbanker nun mit einem aggressiven Verkaufsurteil startet, dürfte den Druck auf den Kurs in den kommenden Wochen nicht mindern.
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