Der Ruhrkonzern steht in dieser Woche gleich mehrfach im Fokus von Anlegern: Ein optimistischeres Analystenurteil, eine wachsende Beteiligung des französischen Vermögensverwalters Amundi und der Countdown zur Abstimmung über die Verselbstständigung der Werkstoff-Sparte prägen das Bild. Die Aktie schloss am Freitag bei 12,24 Euro und legte damit um 2,51 Prozent zu. Auf Monatssicht steht ein Plus von fast 14 Prozent zu Buche, dennoch bleibt das Papier rund 7,6 Prozent unter seinem am 9. Oktober markierten Jahreshoch von 13,24 Euro.

Deutsche Bank sieht deutliches Potenzial

Am Mittwoch hob die Deutsche Bank Research ihr Kursziel für Thyssenkrupp von 14,50 auf 16,00 Euro an und bestätigte die Einstufung „Buy“. Analyst Bastian Synagowitz begründete den Schritt mit dem Wertsteigerungspotenzial, das aus dem geplanten „tk accelis“-Deal und der angestrebten Verselbstständigung weiterer Konzernteile erwächst. Die Einschätzung fügt sich in eine Woche voller struktureller Weichenstellungen bei dem Essener Industriekonzern.

Amundi baut Position aus

Der Kursbewegung folgte am Freitag eine weitere Meldung mit Signalwirkung: Amundi S.A. überschritt die Meldeschwelle von 5 Prozent und hält nun einen Stimmrechtsanteil von 5,06 Prozent an Thyssenkrupp. Für Anleger ist das ein Hinweis darauf, dass institutionelle Investoren die laufende Konzernumbaustrategie zunehmend positiv bewerten – auch wenn eine einzelne Meldeschwellen-Überschreitung allein noch keine Kaufempfehlung darstellt.

tk accelis vor der Abstimmung

Im Zentrum der Neuausrichtung steht die frühere Sparte Materials Services, die künftig unter dem Namen „tk accelis“ eigenständig an der Börse notieren soll. Am Montag stellte das Management am Kapitalmarkttag die Mittelfristziele für die Werkstoff-Tochter vor: Angestrebt werden ein Umsatzwachstum von über 4 Prozent sowie eine bereinigte EBITDA-Marge von 4 bis 5 Prozent. Über die Abspaltung und die separate Börsennotierung entscheidet eine außerordentliche Hauptversammlung am 7. August. Parallel dazu läuft seit Montag eine sogenannte Quiet Period, in der für Führungskräfte bis zum 13. August eine Handelssperre gilt – üblich im Vorfeld der Veröffentlichung von Quartalszahlen.

Stahlgeschäft: Zolltarife stützen, Jindal-Gespräche pausieren

Auch im klassischen Stahlgeschäft tut sich etwas. Seit dem 1. Juli gelten in der Europäischen Union verschärfte Importregeln: Die zollfreie Einfuhrquote wurde auf 18,3 Millionen Tonnen jährlich reduziert, bei Überschreitung drohen Zölle von 50 Prozent. Das stärkt die Wettbewerbsposition heimischer Produzenten wie Thyssenkrupp Steel Europe. Vor diesem Hintergrund erklärte das Management am Montag, dass die Gespräche mit Jindal Steel International über eine Beteiligung an der Stahlsparte weiterhin ausgesetzt bleiben. Fortschritte bei der internen Sanierung und die regulatorischen Verbesserungen hätten die Dringlichkeit eines Deals verringert.

Ausblick

Für Anleger bündeln sich damit binnen weniger Wochen mehrere Entscheidungspunkte: die Hauptversammlung zur tk-accelis-Abspaltung am 7. August, gefolgt vom Zwischenbericht zum dritten Quartal 2025/2026 am 13. August. Die Kombination aus angehobenem Kursziel, wachsendem institutionellem Interesse und einem strukturell entschärften Stahlgeschäft liefert derzeit den Rahmen, in dem der Konzernumbau bewertet wird.