Thyssenkrupp bleibt das Gesprächsthema an der Börse. Nachdem die Aktie am gestrigen Freitag um 6,0 Prozent zulegte – befeuert von der Kurszielanhebung der Deutschen Bank auf 18 Euro – richtet sich der Blick nun auf ein Ereignis Ende September: den ersten Kapitalmarkttag von Thyssenkrupp Steel Europe.

Das Unternehmen kündigte den Termin bei Vorlage der Neunmonatszahlen am 13. August an. Ziel sei ein transparenter Einblick in die wirtschaftliche Entwicklung der Stahlsparte und den Fortschritt der strategischen Neuausrichtung.

Der Kapitalmarkttag dürfte zeigen, wie belastbar die Erholung der Sparte tatsächlich ist – und ob sie eine eigenständige Aufstellung mit möglicher Minderheitsbeteiligung der Thyssenkrupp AG trägt, wie sie das Management weiterhin als Ziel verfolgt.

Zahlen liefern Rückenwind

Die Neunmonatszahlen vom 13. August gaben bereits einen Vorgeschmack. Das bereinigte operative Ergebnis der Stahlsparte stieg auf 373 Millionen Euro, nach 177 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum – mehr als eine Verdopplung. Konzernweit kletterte der bereinigte operative Gewinn in den ersten neun Monaten um 62 Prozent auf 591 Millionen Euro.

Diese Dynamik erklärt, warum Analysten zuletzt reihenweise ihre Einschätzungen anhoben. Die DZ Bank stufte Thyssenkrupp am 21. August von „Halten“ auf „Kaufen“ hoch und erhöhte den fairen Wert von 11 auf 16 Euro. Begründet wurde der Schritt mit dem voranschreitenden Konzernumbau, der zunehmend verborgene Werte sichtbar mache. Bank of America zog tags darauf nach und setzte ihr Kursziel von 19 auf 22 Euro herauf, bei unveränderter Kaufempfehlung.

Kapitalmarkttag als nächste Bewährungsprobe

Für den Aktienkurs, der aktuell bei 15,20 Euro notiert und damit nur noch 0,7 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch liegt, wird der Kapitalmarkttag Ende September zur nächsten wichtigen Wegmarke. Die Veranstaltung soll erstmals detailliert offenlegen, wie tragfähig die operative Erholung der Stahlsparte auf mittlere Sicht ist – eine Frage, die für die geplante eigenständige Aufstellung der Sparte zentral ist.

Hintergrund bleibt der im Mai gescheiterte Anlauf, einen strategischen Partner für die Stahlsparte zu finden: Thyssenkrupp und Jindal Steel International hatten die Gespräche über eine Beteiligung an Thyssenkrupp Steel Europe pausiert. Der eigenständige Weg, den das Management seither verfolgt, gewinnt durch die verbesserten operativen Zahlen an Glaubwürdigkeit. Der Kapitalmarkttag dürfte zeigen, ob Investoren dieser Einschätzung folgen.