Bei Thyssenkrupp verändert der Konzernumbau auch die Bewertungsgrundlage der Aktie. Deutsche Bank Research senkte am Donnerstag das Kursziel, hielt aber an der Kaufempfehlung fest. Dahinter steht eine Anpassung an die Abspaltung von TK Accelis. Für Anleger ist deshalb die Unterscheidung wichtig: Ein niedrigeres Kursziel bedeutet hier nicht zugleich eine Abkehr von der positiven Anlageeinschätzung.

Niedrigeres Ziel bei unveränderter Kaufempfehlung

Analyst Bastian Synagowitz reduzierte das Kursziel von 18 auf 17 Euro. Die Einstufung blieb bei „Buy“. Als Begründung für die Modellanpassung nannte er die Abspaltung von TK Accelis.

Damit betrifft die Änderung zunächst die Bewertung des neu zugeschnittenen Konzerns. Aus der Zielsenkung allein lässt sich keine grundsätzliche Neubewertung der operativen Perspektiven ableiten. Die unveränderte Empfehlung und das gesenkte Ziel gehören zusammen.

Der Aktienkurs von 12,27 € liegt unter dem neuen Analystenziel. Diese Differenz ist allerdings keine Prognose für eine tatsächlich eintretende Kursentwicklung. Entscheidend für die Einordnung der Analyse bleibt ihr Anlass: die veränderte Konzernstruktur.

Stahl rückt in den Mittelpunkt

Der Umbau soll unterdessen weitergehen. Konzernchef Miguel López sagte laut Reuters am 28. Oktober, die Stahlsparte werde als nächster Bereich für einen möglichen Börsengang vorbereitet. Ein Verkauf komme nach gescheiterten Partnergesprächen vorerst nicht infrage.

Damit beschreibt López eine Vorbereitung und keinen bereits beschlossenen Börsengang. Für die Bewertung ist diese Unterscheidung wesentlich: Die mögliche nächste Veränderung der Konzernstruktur steht noch nicht auf derselben Stufe wie die bereits vollzogene Abspaltung.

Bei TK Accelis begann vor gut einer Woche der Börsenhandel. Thyssenkrupp verteilte dabei 49 % der Aktien an bestehende Aktionäre und behielt die Mehrheit. Die Abspaltung bedeutete damit keinen vollständigen Rückzug aus der Beteiligung.

Kapitalmarkt und operative Umsetzung

Neben der Konzernstruktur bleibt die Umsetzung der Stahltransformation ein eigener Faktor. Thyssenkrupp Steel erhielt den endgültigen geänderten Förderbescheid für das Dekarbonisierungsprojekt tkH2Steel. Das Unternehmen bezeichnete die überarbeiteten Förderbedingungen als verlässliche Grundlage für die weitere Umsetzung.

Für Anleger ergeben sich damit zwei getrennte Betrachtungsebenen: Die Abspaltung verändert das Bewertungsmodell, während die Stahlvorbereitungen und das Dekarbonisierungsprojekt die weitere Entwicklung prägen. Die Analystenaktion liefert dazu eine klare, aber begrenzte Aussage: Der Umbau führt zu einem niedrigeren Kursziel, bislang jedoch nicht zu einer schwächeren Empfehlung.