Der Traditionskonzern Thyssenkrupp schickt sich an, den nächsten großen Schritt seiner Neuordnung zu gehen – doch das operative Geschäft macht weiterhin Probleme. Die gesenkte Umsatzprognose zeigt: Der strukturelle Wandel allein hebt noch nicht die Nachfrage.
Umsatzprognose gesenkt, Margen verbessern sich
Thyssenkrupp rechnet im laufenden Geschäftsjahr 2025/2026 nun mit einem organischen Umsatzminus zwischen drei und null Prozent. Zuvor hatte der Konzern minus zwei bis plus ein Prozent in Aussicht gestellt. Grund sind das schwache Marktumfeld in der Stahl- und Automobilzulieferung.
Gleichzeitig bestätigt das Management die zentralen Ergebnisziele. Das bereinigte EBIT soll bei 500 bis 900 Millionen Euro liegen. Auch die Prognose eines Nettoverlusts von 400 bis 800 Millionen Euro bleibt unverändert – Restrukturierungskosten und geopolitische Unsicherheiten belasten weiterhin.
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Im zweiten Quartal zeigte die operative Entwicklung indes eine klare Verbesserung: Das bereinigte EBIT kletterte von 19 Millionen auf 198 Millionen Euro. Treiber waren strikte Kostendisziplin sowie die Sparten Marine Systems und Automotive.
Materials Services: Abspaltung rückt näher
Der nächste entscheidende Schritt in der Konzernrestrukturierung könnte die Werkstoffhandelssparte Materials Services sein. Der Aufsichtsrat befasste sich bereits am 20. Mai mit dem Thema und wird am 16. Juni erneut tagen. Laut Reuters-Berichten prüft Thyssenkrupp die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung im Sommer – Einladungen könnten bereits im Juni verschickt werden, der Termin Ende Juli oder Anfang August liegen.
Materials Services beschäftigt über 15.000 Mitarbeiter und erwirtschaftet mehr als ein Drittel des Konzernumsatzes. Diskutiert wird auch eine Struktur als Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA), die dem Mutterkonzern selbst bei einem Anteilsverkauf die Kontrolle sichern würde.
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Bisherige Umbauerfolge
Die angestrebte Verselbstständigung von Materials Services wäre ein weiterer Meilenstein in der Transformation zu einer schlanken Finanzholding. Bereits umgesetzt: der Börsengang der Wasserstofftochter Nucera im Juli 2023 sowie der Spin-off von Thyssenkrupp Marine Systems im Oktober 2025. TKMS agiert seither eigenständig an der Börse, Thyssenkrupp hält 51 Prozent. Auch der Verkauf der HKM-Anteile an Salzgitter dient der Neuordnung des Stahlgeschäfts.
Kurserholung mit Fragezeichen
Die Aktie notierte am Montag bei 11,18 Euro – ein Plus von 3,1 Prozent zum Freitagsschluss. Seit dem 52-Wochen-Tief bei 7,15 Euro im März kletterte der Kurs um 56 Prozent. Der RSI von 88,7 zeigt jedoch ein stark überkauftes Niveau. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 15,6 Prozent zu Buche, das Hoch bei 13,24 Euro aus Oktober bleibt in Sichtweite.
Am 16. Juni entscheidet der Aufsichtsrat über die nächsten Schritte bei Materials Services. Sollte die außerordentliche Hauptversammlung im Sommer tatsächlich einberufen werden, bekämen Anleger eine konkrete Abstimmungsvorlage – und einen weiteren Beleg, dass der Konzernumbau Fahrt aufnimmt.
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