Thyssenkrupp hat am Donnerstag Zahlen zum dritten Quartal des Geschäftsjahres 2025/2026 vorgelegt, die die Markterwartungen beim Umsatz um 410 Millionen US-Dollar übertrafen. Der Konzern nutzte den Termin, um die Jahresprognose für die Sparte Materials Services, die künftig unter dem Namen tk accelis firmiert, deutlich anzuheben.

Deutlich höheres EBIT für die zweite Halbjahreshälfte

Für die Neunmonatsperiode meldete Thyssenkrupp ein bereinigtes EBIT von 591 Millionen Euro – ein Plus von 226 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Unter dem Strich stand dennoch ein Nettoverlust von 311 Millionen Euro, den der Konzern auf Restrukturierungsrückstellungen zurückführte. Die Nettocashposition belief sich auf 2,6 Milliarden Euro und gibt dem Unternehmen finanziellen Spielraum für den laufenden Umbau.

Konkret hob Thyssenkrupp die EBIT-Prognose für Materials Services auf eine Spanne von 200 bis 250 Millionen Euro an, nachdem zuvor eine deutlich breitere Bandbreite von 125 bis 225 Millionen Euro gegolten hatte.

Für den Umsatz der Sparte erwartet der Konzern nun ein Wachstum von 5 bis 7 Prozent. Auch die Marinesparte Marine Systems lieferte positive Signale: Sie steigerte das bereinigte EBIT auf 50 Millionen Euro bei einer Marge von 6,9 Prozent.

Analysten uneins über Bewertung nach der Rally

Die Reaktionen der Analysten fielen nach den Zahlen unterschiedlich aus. Der Analyst der Deutschen Bank, Bastian Synagowitz, bestätigte am Freitag das Kaufvotum für Thyssenkrupp mit einem unveränderten Kursziel von 16,00 Euro.

Deutlich zurückhaltender äußerte sich JPMorgan-Analyst Dominic O’Kane, der die Einstufung am Donnerstag bei „Neutral“ beließ und das Kursziel von 12,80 auf 15,00 Euro anhob – ein Niveau, das der Kurs bereits deutlich überschritten hat.

Der Aktienkurs notiert aktuell bei 13,96 Euro und damit nur 0,7 Prozent unter dem jüngsten 52-Wochen-Hoch. Die Kursentwicklung der vergangenen Wochen spiegelt das gestiegene Anlegervertrauen wider, während die divergierenden Kursziele der beiden Häuser zeigen, dass die Bewertung nach der starken Rally kontrovers diskutiert wird.

Stahlgeschäft bleibt Unsicherheitsfaktor

Im Hintergrund bleibt die Zukunft der Stahlsparte ein Thema. Die EP Group von Daniel Křetínský hatte im vergangenen Oktober die Verhandlungen über ein 50/50-Joint-Venture bei Thyssenkrupp Steel Europe einvernehmlich beendet und ihren 20-Prozent-Anteil gegen Rückerstattung des Kaufpreises zurückgegeben. Das machte den Weg frei für Gespräche mit Jindal Steel International, deren Ausgang weiterhin offen ist.

Parallel dazu meldete die DWS eine Reduzierung ihrer Stimmrechtsanteile an Thyssenkrupp auf 0,33 Prozent, ein Rückgang um 8,92 Prozent gegenüber der vorherigen Meldung – ein Hinweis darauf, dass institutionelle Investoren nach dem starken Kursanstieg teilweise Gewinne mitnehmen.

Der Konzern peilt für das Ende des Geschäftsjahres am 30. September 2026 den Abschluss der Restrukturierungsphase in der Stahlsparte an. Vor diesem Termin ist im September ein Capital Markets Day geplant, auf dem Anleger weitere Details zur strategischen Neuausrichtung erwarten dürfen.