Der deutsche Industriegigant Thyssenkrupp steht vor einem historischen Schritt: Noch in dieser Woche könnte die Abspaltung der Rüstungstochter TKMS an die Börse erfolgen. Mit einer erwarteten Bewertung von bis zu 2,7 Milliarden Euro würde das Kriegsschiffgeschäft etwa ein Drittel des gesamten Konzernwerts ausmachen. Doch was bedeutet dieser Mega-Deal für Aktionäre – und kann die Aufspaltung den angeschlagenen Mutterkonzern retten?

Kriegsgeschäft boomt: Auftragsbuch explodiert

Während der Thyssenkrupp-Konzern mit Verlusten und sinkenden Umsätzen kämpft, erlebt die Verteidigungssparte TKMS einen beispiellosen Boom. Das Auftragsvolumen hat sich in den letzten fünf Jahren mehr als verdreifacht und erreicht aktuell 18,6 Milliarden Euro. Getrieben von den geopolitischen Spannungen und erhöhten Verteidigungsausgaben in Europa produziert TKMS U-Boote, Fregatten und Minenräumtechnologie für die marine Aufrüstung.

Die Sparte präsentiert sich mit ambitionierten Zielen:
– EBIT-Marge soll mittelfristig auf über 7 Prozent steigen (aktuell: 4,3 Prozent)
– Starke Nachfrage durch europäische Rüstungsprogramme
– Internationale Konkurrenz zu Werften wie Fincantieri und Naval Group

Direkte Beteiligung: So profitieren Aktionäre

Für Thyssenkrupp-Aktionäre bietet die Transaktion einen unmittelbaren Vorteil: Für je 20 gehaltene Thyssenkrupp-Aktien erhalten sie eine TKMS-Aktie zugeteilt. Der Mutterkonzern behält mit 51 Prozent die Mehrheit, während 49 Prozent an die Aktionäre ausgegeben werden.

Doch lohnt sich der Einstieg in das Rüstungsgeschäft? Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: TKMS könnte einer der größten deutschen Börsengänge 2025 werden – nur die Abspaltungen von Continental und Ottobock wären noch umfangreicher.

Konzern im Umbruch: Rettet die Rüstung den Stahlriesen?

Während das Rüstungsgeschäft floriert, kämpft Thyssenkrupp an anderen Fronten. Die Stahlsparte durchläuft einen schmerzhaften Restrukturierungsprozess, der im dritten Quartal zu einem Nettoverlust von 278 Millionen Euro führte. Der Umsatz sank um 9 Prozent, die Prognose für das Gesamtjahr wurde gesenkt.

Die TKMS-Abspaltung könnte dem Konzern die dringend benötigte Flexibilität verschaffen, um sich auf die Sanierung der Kernprobleme zu konzentrieren. Die Thyssenkrupp-Aktie notiert nahe ihrem 52-Wochen-Hoch – ein klares Zeichen, dass Investoren den Umbau begrüßen.

Mit dem geplanten Börsengang am 20. Oktober und der ersten Dividende für 2027 setzt Thyssenkrupp alles auf eine Karte: Kann das profitable Rüstungsgeschäft den angeschlagenen Industriegiganten wieder in die Gewinnzone zurückführen?