Die größte Aktionärin spricht Klartext. Die Krupp-Stiftung hält den aktuellen Moment für günstig, die Stahlsparte aus dem Konzern zu lösen. Das passt zum Umbau von Thyssenkrupp zur Finanzholding.

Stiftung nennt ihre Gründe

Stiftungschefin Ursula Gather sieht ein „gutes Zeitfenster“ für den Schritt. Sie verweist auf mehrere Faktoren: Der Sanierungstarifvertrag greife, der Verkauf von HKM bringe das Unternehmen voran, und die EU-Zölle schützten die europäische Stahlbranche stärker. Auch bei der Direktreduktionsanlage in Duisburg gebe es Fortschritte. „Diese Dynamik sollte genutzt werden“, sagte Gather der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“.

Die Stiftung hält knapp 21 Prozent der Anteile und ist damit größte Anteilseignerin. Eine Staatsbeteiligung an Deutschlands größtem Stahlhersteller hält sie für unnötig. Der Plan sehe vor, die Verselbstständigung aus eigener Kraft zu schaffen. Bleibt die Stiftung auch an einem eigenständigen Stahlkonzern beteiligt, „freut uns das“, so Gather.

Umbau zur Finanzholding

Konzernchef Miguel Lopez formt die Thyssenkrupp AG zur Finanzholding um. Die Sparten sollen schrittweise eigenständig werden. Die Marinesparte TKMS ging bereits im vergangenen Herbst an die Börse, auch die Wasserstofftochter Nucera ist schon börsennotiert. Die Werkstoffsparte TK Accelis soll noch in diesem Jahr folgen.

Bei Stahl zeigt sich der Konzern flexibel. Grundsätzlich will die Mutter Mehrheitseigentümerin bleiben, hier hält sie aber auch eine Minderheitsbeteiligung für möglich. Übrig bleiben die Bereiche Autoteile und grüne Technologien.

Der Handlungsdruck ist erkennbar. Ende Juni arbeiteten in der Stahlsparte rund 25.080 Menschen, knapp 860 weniger als ein Jahr zuvor. Die Aktie gab am Vortag zuletzt leicht nach und schloss bei 13,83 Euro.

Ein erster konkreter Termin steht fest: Am 8. Dezember legt der Konzern den Geschäftsbericht für das Ende September abgeschlossene Geschäftsjahr 2025/26 vor. Dann dürften Anleger mehr über das Tempo des Umbaus erfahren.