Die Abspaltung der Marineschiffbau-Tochter TKMS wird zum Kurstreiber für den angeschlagenen Industriekonzern. Nach dem fulminanten Börsendebüt von TKMS mit einem Kurssprung von über 40 Prozent zieht auch die Mutter nach – doch Analysten warnen vor zu viel Euphorie.

Der erste Handelstag von TKMS übertraf alle Erwartungen: Die Aktien starteten bei 60 Euro und schlossen bei 81,10 Euro, nachdem sie zwischenzeitlich sogar die 100-Euro-Marke geknackt hatten. Am Dienstag setzte sich die Rallye fort – TKMS gewann weitere 6 Prozent auf 86,05 Euro, was einem satten Aufschlag von 43 Prozent zum Ausgangskurs entspricht.

Da Thyssenkrupp 51 Prozent der TKMS-Anteile hält, profitiert die Muttergesellschaft direkt von diesem Höhenflug. Die Aktie legte synchron um etwa 6 Prozent zu. Mit einer Marktkapitalisierung von rund sechs Milliarden Euro ist Thyssenkrupp damit kaum höher bewertet als die Marine-Tochter mit 5,5 Milliarden Euro.

Analysten sehen versteckte Werte freigelegt

Die Experten zeigen sich von der Entwicklung beeindruckt. Kepler Cheuvreux hob das Kursziel für Thyssenkrupp von 13,40 auf 13,80 Euro an und begründete dies mit dem starken TKMS-Debüt, das einen Unternehmenswert von 4,4 Milliarden Euro impliziert – deutlich über den Analystenschätzungen.

Citigroup-Experte Ephrem Ravi sieht den fairen Wert für TKMS bei 71 Euro, während die DZ Bank betont, die Abspaltung erhöhe die Transparenz im Konzern und mache verborgene Werte sichtbar.

Warnung vor der ersten Euphorie

Doch nicht alle Stimmen sind euphorisch. Bernstein Research startete die TKMS-Bewertung gleich mit „Underperform“ bei einem Kursziel von 74 Euro. Analyst Adrien Rabier warnt: Anleger sollten der ersten Euphorie nicht nachjagen. TKMS werde bereits wie ein Siegertyp gehandelt, obwohl das Unternehmen eigentlich ein Underperformer sei.

Die Hoffnung auf milliardenschwere U-Boot-Aufträge treibt TKMS zusätzlich an. Ob diese Fantasie Realität wird, bleibt jedoch abzuwarten. Für Thyssenkrupp könnte die erfolgreiche Abspaltung jedenfalls der Beginn einer längst überfälligen Portfoliobereinigung sein.