Volle Auftragsbücher, aber leere Kassen – bei ThyssenKrupp Nucera klafft die Schere immer weiter auseinander. Während die Muttergesellschaft ThyssenKrupp den Konzernumbau vorantreibt, wird die Wasserstofftochter zur Belastungsprobe. Anleger reagieren nervös auf die jüngsten Zahlen.

Im zweiten Geschäftsquartal brach der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 77 Prozent ein. Lediglich 50 Millionen Euro standen am Ende in den Büchern. Parallel dazu rutschte das operative Ergebnis (EBIT) auf minus 65 Millionen Euro ab.

Die Börse straft diese operative Schwäche ab. Die Aktie notiert mit etwa 7,21 Euro nur knapp über ihrem Rekordtief. Der Auftragseingang vervierfachte sich zwar auf 316 Millionen Euro, doch die bloße Aussicht auf künftige Projekte beruhigt den Markt kaum.

Wettlauf gegen die Zeit

Der gesamte Auftragsbestand kletterte auf rund 732 Millionen Euro. Große Hoffnungen ruhen auf einem 300-Megawatt-Projekt in Südeuropa. Hinzu kommt eine neue Studie für ein Vorhaben in Indien.

Das Management hält trotz der schwachen Zahlen an der Jahresprognose für 2025/2026 fest. Der Umsatz soll bis zu 550 Millionen Euro erreichen. Das geplante operative Ergebnis bleibt dabei negativ.

Der Vorstand erwartet ein EBIT zwischen minus 80 und minus 30 Millionen Euro. Um diese Ziele zu erreichen, muss das Unternehmen die Projektabwicklung massiv beschleunigen. Verzögerungen und Sondereffekte belasteten zuletzt die Bilanz.

Transparenz als Risiko

Der geplante Umbau der ThyssenKrupp-Gruppe macht die Probleme bei Nucera sichtbarer. Während die Marinesparte TKMS von steigenden Verteidigungsausgaben profitiert, wirkt die Wasserstoffsparte wie eine riskante Wette. Die neue Konzernstruktur legt die operativen Defizite schonungslos offen.

Technisch ist das Papier mit einem RSI von 27,7 Punkten extrem überverkauft. Dies könnte kurzfristig Raum für eine technische Gegenreaktion bieten. Die psychologisch wichtige Marke von sieben Euro dient dabei als entscheidende Unterstützung.

Klarheit über den weiteren Kurs bringen spätestens die Ergebnisse für das dritte Quartal im August. Bis dahin muss das Unternehmen beweisen, dass es den hohen Auftragsbestand in echtes Geld verwandeln kann.