Ein Quartalsverlust, der die Erwartungen um ein Vielfaches sprengt – und trotzdem steigt der Kurs. Bei Tilray widersprechen sich Zahlen und Marktreaktion in dieser Woche fundamental. Für mich ist genau das die eigentliche Geschichte hinter der jüngsten Rally.
Eine Woche der Entkopplung
Tilray meldete für das vierte Geschäftsquartal einen Verlust je Aktie von 0,43 US-Dollar. Analysten hatten im Schnitt nur mit minus 0,01 US-Dollar gerechnet. Das ist keine kleine Abweichung, sondern ein deutlicher Fehltritt bei der Kernkennzahl.
In einem normalen Marktumfeld hätte das die Aktie unter Druck gesetzt. Stattdessen schloss das Papier am Freitag bei 6,08 kanadischen Dollar, ein Tagesplus von 3,23 Prozent. Auf Wochensicht steht ein Zugewinn von 10,75 Prozent zu Buche – bemerkenswert für ein Unternehmen, das gerade eine derartige Gewinnwarnung kassiert hat.
Der Blick auf die Monatsperformance relativiert die Euphorie etwas. Auf 30-Tage-Sicht liegt Tilray weiterhin 7,32 Prozent im Minus. Die Erholung dieser Woche wirkt daher eher wie ein möglicher Boden als wie ein neuer Trend, zumal der RSI von 48,4 auf neutrales Terrain hindeutet – weder überkauft noch überverkauft.
Getränke und Distribution als neue Wachstumsmotoren
Die eigentliche Erklärung für die Kursreaktion liegt nicht in der Gewinn- und Verlustrechnung, sondern in der Zusammensetzung des Umsatzes. Das klassische Cannabis-Geschäft wuchs im vierten Quartal nur um 5 Prozent. Die anderen Segmente lieferten dagegen die eigentliche Story.
Der Getränkebereich, getrieben von der Integration von Marken wie BrewDog, legte um 61 Prozent zu. Die Distribution wuchs um 15 Prozent. Zusammen standen diese beiden Nicht-Cannabis-Segmente für 89 Prozent des gesamten Umsatzwachstums im Quartal.
Das ist keine bloße Ankündigung mehr, sondern gelebte Realität. 71 Prozent des Jahresumsatzes stammen inzwischen aus Quellen jenseits von Marihuana. Damit entkoppelt sich Tilray zunehmend von der Regulierungsstarre und der Volatilität des globalen Cannabis-Markts – und genau das scheint der Markt gerade zu honorieren.
Institutionelles Geld wittert Wert
Die Marktkapitalisierung liegt aktuell bei rund 467,52 Millionen Euro, bei einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 40,78 Prozent. Das bleibt ein Papier für Anleger mit starken Nerven. Trotzdem mehren sich Signale, dass größere Adressen die Bewertung neu einschätzen.
Am Handelsende der Woche lag das Call-Volumen 82 Prozent über dem Tagesdurchschnitt – ein deutliches Zeichen für spekulatives Interesse auf der Long-Seite. Berichten zufolge hat zudem Millennium Management seine Position um 281 Prozent aufgestockt. Das spricht für eine stabilere Basis unter dem Kurs, auch wenn die Charttechnik noch Nachholbedarf zeigt: Tilray notiert zwar über dem 20-Tage-Durchschnitt, bleibt aber unterhalb der 50- und 200-Tage-Linie.
Der Weg zur Umsatzmilliarde
Für das Geschäftsjahr 2027 peilt das Management einen Umsatz von über einer Milliarde US-Dollar an. Das bereinigte EBITDA soll zwischen 68 und 75 Millionen US-Dollar liegen. Das ist ambitioniert, passt aber zur Erzählung, die CEO Irwin Simon seit Monaten vorantreibt: Cannabis als Option für die Zukunft, nicht mehr als Überlebensfrage der Gegenwart.
Unterm Strich sehe ich in dieser Woche ein Vertrauenssignal, kein Entwarnungssignal. Wenn Tilray sein Getränke-Momentum hält, sprechen die Chancen für eine graduelle Erholung der Aktie. Die wiederkehrenden Verluste nach US-GAAP bleiben aber ein Schatten über der langfristigen Bilanz, den auch ein starkes Getränkequartal nicht wegdiskutiert. Der Wochengewinn von 10,75 Prozent ist damit vor allem eines: ein Vertrauensvorschuss für ein Unternehmen, das sich gerade neu als Konsumgüterkonzern positioniert – die endgültige Bestätigung steht noch aus.
Tilray-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Tilray-Analyse vom 1. August liefert die Antwort:
Die neusten Tilray-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Tilray-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 1. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Tilray: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

