Tilray Medical bekommt mehr Kontrolle über die eigene Lieferkette. Die portugiesische Arzneimittelbehörde INFARMED hat das Qualitätskontrolllabor am EU-GMP-zertifizierten Standort Cantanhede für mikrobiologische sowie chemisch-physikalische Prüfungen vor Ort zugelassen. Für den Konzern kommt die Nachricht zu einem Zeitpunkt, an dem das Cannabisgeschäft unter Druck steht.
Was die Zulassung ändert
Bisher musste Tilray Medical bei Blütenchargen auf Prüfungen Dritter zurückgreifen. Das fällt nun zu großen Teilen weg. Das Unternehmen erwartet dadurch niedrigere Kosten für die Chargenfreigabe, kürzere Prüfzeiten und einen glatteren Produktfluss von der Ernte bis zum Verkauf.
Der Standort in Portugal beliefert unter anderem Deutschland, das Vereinigte Königreich, Polen und Italien. Rajnish Ohri, President des internationalen Geschäftsbereichs, spricht von mehr Schnelligkeit, Kontrolle und Flexibilität in der internationalen Lieferkette. Die Vorteile sind bislang Erwartungen des Managements, belegte Effekte auf die Marge liegen noch nicht vor.
Der Schritt knüpft an die jüngste Expansion an. Tilray Medical hat die Produktion in Portugal hochgefahren und das Angebot im Vereinigten Königreich über die Lyphe Clinic und die Lyphe Dispensary ausgeweitet.
Cannabis bleibt die Baustelle
Wie nötig operative Fortschritte sind, zeigten die Quartalszahlen vom 8. Oktober. Der Umsatz im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 stieg um 23 Prozent auf rund 257 Millionen Dollar, verfehlte aber leicht die Markterwartungen. Getriebe wurde das Wachstum vom Getränkesegment, dessen Erlöse sich auf gut 101 Millionen Dollar fast verdoppelten.
Im Kerngeschäft Cannabis ging der Umsatz dagegen von knapp 65 auf rund 56 Millionen Dollar zurück. Unter dem Strich stand ein Verlust von etwa 40 Millionen Dollar, nach einem kleinen Gewinn im Vorjahresquartal. Das bereinigte EBITDA blieb mit gut 9 Millionen Dollar positiv, lag aber unter dem Vorjahreswert.
Belastend wirkt zudem der bereinigte Free Cashflow von minus 23,4 Millionen Dollar. Das Unternehmen gibt also mehr Geld aus, als es einnimmt. Frisches Kapital könnte im Bedarfsfall von außen kommen, etwa über neue Aktien.
Ausblick
Die Jahresprognose hält Tilray unverändert aufrecht: Das bereinigte EBITDA soll zwischen 68 und 75 Millionen Dollar liegen. Dafür muss das Unternehmen die Kosten im Medizinbereich in den Griff bekommen, und genau hier setzt das Labor in Cantanhede an. Parallel wartet der gesamte Sektor weiter auf die Entscheidung der US-Behörde DEA zur Neueinstufung von Cannabis.
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