Zwei Milliardenaufträge in einer Woche, und trotzdem verliert die Aktie an Wert. Bei TKMS klaffen Auftragslage und Kursentwicklung gerade deutlich auseinander. Die Erklärung liegt in einer ungewöhnlich gespaltenen Analystenmeinung, die sich ausgerechnet jetzt vor einer wichtigen Investorenwoche zeigt.

Die TKMS-Aktie schloss am Freitag bei 81,70 Euro. Das sind 4,22 Prozent weniger als am Vortag. Auf Wochensicht steht sogar ein Minus von 12,99 Prozent zu Buche, während sich der Kurs über 30 Tage um 14,91 Prozent verbessert hat.

Zwei Milliardenaufträge in einer Woche

Zunächst wählte Kanada den Kieler Marineschiffbauer als bevorzugten Anbieter für sein U-Boot-Programm aus. Bis zu zwölf U-Boote vom Typ 212CD stehen im Raum. Premier Mark Carney erteilte der Werft den Zuschlag im Wert von mehr als 60 Milliarden kanadischen Dollar, umgerechnet rund 37 Milliarden Euro.

Der bindende Vertrag folgt allerdings erst Ende 2027. Bis dahin bleibt vieles offen.

Kurz danach billigte der Haushaltsausschuss des Bundestags den nationalen Fregattenkauf. Zunächst bestellt die Deutsche Marine vier Schiffe des Typs Meko A-200 DEU für rund 6,3 Milliarden Euro. Eine Option auf vier weitere Fregatten kostet zusätzlich etwa 5,3 Milliarden Euro. Die erste Fregatte soll 2029 einsatzbereit sein.

Kursziele driften weit auseinander

Die Analysten reagieren höchst unterschiedlich auf diese Auftragsflut. mwb research hebt sein Kursziel von 125 auf 135 Euro an und bestätigt die Kaufempfehlung. Die Experten erhöhen zudem ihre erwartete jährliche Wachstumsrate von 10 auf 13 Prozent und führen TKMS weiterhin als bevorzugten deutschen Rüstungstitel. Als Grund nennt das Analysehaus die durch den kanadischen Vorzugsstatus verbesserte Planbarkeit künftiger Cashflows.

Die Deutsche Bank bestätigt ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 110 Euro. Mit dem kanadischen Erfolg habe das MDAX-Unternehmen sämtliche noch offenen Milliardenausschreibungen für sich entschieden, so die Begründung.

Bernstein Research sieht das komplett anders. Die Analysten belassen es bei „Market-Perform“ und einem Kursziel von nur 76 Euro — deutlich unter dem aktuellen Kurs.

Charttechnik bleibt uneinheitlich

Die Aktie notiert aktuell 3,81 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 78,70 Euro. Den 100-Tage-Durchschnitt von 83,22 Euro hat sie dagegen noch nicht zurückerobert. Der RSI von 51,0 zeigt weder eine überkaufte noch eine überverkaufte Situation an.

Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 82,25 Prozent deutet auf anhaltend nervöse Handelstage hin. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie dennoch mit 17,98 Prozent im Plus. Zum 52-Wochen-Hoch von 102,90 Euro vom 26. Januar fehlen aktuell 20,60 Prozent, vom 52-Wochen-Tief bei 56,75 Euro aus dem November hat sich der Kurs bereits um 43,96 Prozent erholt.

Singapur wird zum nächsten Test

Für den 14. und 15. Juli plant TKMS eine zweitägige Roadshow in Singapur. Es ist der nächste Termin in einer bereits laufenden Serie von Investorengesprächen — die Deutsche Bank Defence Conference in London, die Jefferies-Konferenz in Baden-Baden und der Mediobanca-Termin in Mailand fanden bereits im Juni statt.

Neue Finanzzahlen liefert erst die Quartalsmitteilung zum dritten Quartal am 12. August. Bis dahin muss das Management in Singapur ohne frische Zahlen überzeugen — allein mit der Substanz der Aufträge und der Frage, wie belastbar deren Finanzierung tatsächlich ist.