TKMS weist offiziell einen Auftragsbestand von 20,6 Milliarden Euro aus. Das Analysehaus mwb research hält diese Zahl für zu vorsichtig gerechnet. Werden potenzielle Rahmenvertrags-Volumina eingerechnet, komme man rechnerisch auf rund 64 Milliarden Euro – das 30-Fache des aktuellen Jahresumsatzes.
Die Einschätzung wirft ein neues Licht auf die Wachstumsstory des Marineschiffbauers und erklärt, warum Analysten trotz der jüngsten Kursschwäche optimistisch bleiben.
Bernstein hebt EBIT-Schätzung für 2030 kräftig an
Auch bei Bernstein Research zeigt sich Zuversicht mit Blick auf die Zukunft. Analyst Adrien Rabier hob am Montag seine EBIT-Schätzung für TKMS für das Jahr 2030 um 86 Prozent an. Als Begründung verwies er auf die beschleunigte Auftragslage im maritimen Elektroniksegment.
Die Anhebung folgt auf eine bereits Mitte des Monats erfolgte Hochstufung des Hauses von „Market-Perform“ auf „Outperform“ mit einem Kursziel von 125 Euro. Auch Deutsche Bank Research und Metzler hatten ihre Ziele seinerzeit auf 112 beziehungsweise 115 Euro angehoben, während ODDO BHF mit einem Kursziel von 95 Euro und der Einstufung „Neutral“ zurückhaltender blieb.
Die aufgehellten Schätzungen fallen in eine Phase, in der TKMS operativ liefert. Für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2025/26 meldete das Unternehmen einen Umsatzanstieg von 19 Prozent auf 1,89 Milliarden Euro sowie ein bereinigtes EBIT von 110 Millionen Euro nach 98 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.
Die Geschäftsführung hatte daraufhin die Jahresprognose deutlich angehoben: Das erwartete Umsatzwachstum wurde von zuvor 2 bis 5 Prozent auf nun 10 bis 12 Prozent korrigiert, die bereinigte EBIT-Marge auf bis zu 6,5 Prozent.
Kooperation mit Navantia und starker Rückhalt vom Mutterkonzern
Parallel zu den Zahlen bestätigte CEO Oliver Burkhard Sondierungsgespräche mit der spanischen Werft Navantia über eine strategische Kooperation. Ziel ist die Nutzung spanischer Produktionskapazitäten für internationale Großprojekte – ein möglicher Baustein, um das wachsende Auftragsvolumen abzuarbeiten.
Auch der Mehrheitsaktionär ThyssenKrupp AG, der 51 Prozent der Anteile hält, verwies in seinem jüngsten Quartalsbericht auf die starke Performance von TKMS als wesentlichen Treiber für die Anhebung des Konzernausblicks.
Kursrückgang als Verschnaufpause nach Rekordhoch
An der Börse zeigt sich am heutigen Donnerstag eine andere Realität: Die Aktie verliert 3,4 Prozent auf 93,20 Euro, nachdem sie in der Vorwoche mit 107,00 Euro ein Allzeithoch markiert hatte. Auf Wochensicht steht ein Minus von 10 Prozent zu Buche.
Marktbeobachter führen die Bewegung auf Gewinnmitnahmen sowie eine allgemeine Korrektur bei europäischen Rüstungswerten zurück. Der Rücksetzer relativiert sich allerdings im Jahresverlauf: Seit Jahresbeginn steht TKMS noch immer mit 41 Prozent im Plus, und der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt von 83,64 Euro liegt weiterhin bei 11 Prozent im positiven Bereich.
Die Volatilität bleibt mit annualisiert 51 Prozent hoch – ein Hinweis darauf, dass der Markt die ambitionierten Wachstumsschätzungen noch nicht vollständig eingepreist hat.
Anleger richten den Blick nun auf den 7. Dezember, wenn TKMS die Ergebnisse für das Gesamtjahr 2025/26 vorlegt. Bis dahin dürfte die Diskussion um die tatsächliche Größe des Auftragspolsters die Bewertungsdebatte prägen.
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