TKMS hat am Donnerstag die Jahresprognose deutlich angehoben – und der Kanada-Auftrag steckt dahinter. Der Rüstungskonzern rechnet nun mit einem Umsatzwachstum von 10 bis 12 Prozent, zuvor waren es 2 bis 5 Prozent. Die EBIT-Marge soll auf bis zu 6,5 Prozent steigen. Grundlage ist ein U-Boot-Geschäft, das sich binnen eines Jahres fundamental verändert hat.

Kanada macht den Unterschied

Kanada hat TKMS als bevorzugten Lieferanten für bis zu zwölf U-Boote ausgewählt – der größte Einzelauftrag der Firmengeschichte. Die Entscheidung fiel Anfang August, TKMS setzte sich gegen den südkoreanischen Konkurrenten Hanwha Ocean durch. Für die Standorte Kiel und Wismar bedeutet der Milliardendeal nach Angaben des NDR eine langfristige Absicherung der Beschäftigung.

Der Effekt zeigt sich bereits in den Neun-Monats-Zahlen: Der Umsatz stieg um 19 Prozent auf 1,89 Milliarden Euro, das Konzern-EBIT legte um 13 Prozent auf 110 Millionen Euro zu. Besonders auffällig ist das U-Boot-Segment, das seinen operativen Gewinn verdreifachte – von 11 auf 46 Millionen Euro bei einem Umsatz von gut einer Milliarde Euro.

Neue Bestellungen im Volumen von 3,6 Milliarden Euro sorgten für ein Book-to-Bill-Verhältnis von rund zwei – TKMS nimmt also deutlich mehr Aufträge herein, als es abarbeitet. Der Gesamtauftragsbestand liegt inzwischen bei 20,1 Milliarden Euro.

Wachsende Abhängigkeit von Großprojekten

Mit dem Kanada-Geschäft wächst allerdings auch das Risiko. Je größer einzelne Aufträge werden, desto stärker hängt die Ergebnisentwicklung von deren reibungsloser Umsetzung ab. Neben Kanada laufen zudem Verhandlungen mit Indien über sechs plus drei weitere U-Boote – ein zweites Großprojekt, das TKMS parallel stemmen müsste.

Wie anspruchsvoll solche Staatsaufträge werden können, zeigt der Blick nach Kanada selbst: Eine Analyse zur dortigen Schiffbaustrategie verweist auf frühere Verzögerungen bei Marineprojekten – Zerstörer der River-Klasse etwa verschieben sich von den 2020er- in die 2030er-Jahre, Versorgungsschiffe von den frühen 2020ern auf 2027/28. Berichten aus Halifax zufolge könnte zudem der Aufbau einer neuen U-Boot-Werft Fachkräfte von anderen Marineprojekten abziehen; bis Anfang der 2030er-Jahre fehlten dort hunderte Arbeitskräfte, die neue Werft allein benötige mehr als tausend zusätzliche Beschäftigte.

Solche strukturellen Engpässe beim Auftraggeber sind ein Faktor, den TKMS nicht selbst steuern kann, der aber Zeitpläne und damit Zahlungsflüsse beeinflusst.

Kurs spiegelt die neue Risikolage

Der Aktienmarkt honoriert die Wachstumsstory bislang deutlich. Am Freitag schloss das Papier bei 105,00 Euro, ein Plus von 1,9 Prozent, und liegt damit nur noch 3,5 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch. Die Bewertung mit rund 5,6 Milliarden Euro Marktkapitalisierung spiegelt bereits einen erheblichen Vertrauensvorschuss in die künftige Umsetzung der Großprojekte wider.

Für Anleger verschiebt sich damit der Blick: Nicht mehr die Frage, ob TKMS neue Aufträge gewinnt, steht im Zentrum, sondern ob das Unternehmen die bereits gewonnenen – Kanada voran, Indien möglicherweise folgend – termingerecht und margenstark abarbeiten kann.

Die angehobene Prognose ist ein Vertrauensbeweis des Managements in die eigene Umsetzungsfähigkeit. Ob dieser Vorschuss gerechtfertigt ist, wird sich an den kommenden Quartalsberichten zeigen müssen, wenn aus Auftragsbestand tatsächlich Umsatz und Ergebnis werden.