Der Rüstungskonzern TKMS hat sein unverbindliches Übernahmeangebot für German Naval Yards (GNYK) zurückgezogen. Die Verhandlungspartner konnten sich nicht auf wirtschaftliche Konditionen einigen, berichteten Schiff & Hafen und das Handelsblatt am 21. Juli. Damit endet vorerst ein Vorhaben, mit dem TKMS zusätzliche Werftkapazitäten in Kiel hätte sichern können.
CEO Burkhard: Keine Notwendigkeit für den Deal
TKMS-Vorstandschef Oliver Burkhard ordnete das Scheitern nüchtern ein. Ein Erwerb von GNYK wäre eine „schöne Option, aber kein Muss“ gewesen, sagte er laut Schiff & Hafen. Das Unternehmen prüfe nun andere Wege, um die logistische Flexibilität am Standort Kiel zu erhöhen. Die Aussage signalisiert, dass TKMS die Konsolidierung der eigenen Werftkapazitäten nicht unter Zeitdruck vorantreiben will, sondern Alternativen offenhält.
Analysten uneins: Bernstein vorsichtig, Deutsche Bank optimistisch
Die Einschätzungen der Analystenhäuser zu TKMS gehen deutlich auseinander. Bernstein Research stufte die Aktie am 22. Juli mit „Market-Perform“ ein und nannte ein Kursziel von 76 Euro. Die Deutsche Bank kam zwei Tage später, am 24. Juli, zu einem gegensätzlichen Urteil: Vor den anstehenden Q3-Zahlen beließ sie ihre Einstufung bei „Buy“ mit einem Kursziel von 110 Euro. Die Spanne zwischen beiden Zielmarken zeigt, wie unterschiedlich die Wachstumsstory und die Bewertung des Rüstungskonzerns derzeit am Markt diskutiert werden.
Operatives Geschäft wächst, Free Cashflow bleibt negativ
Die zugrundeliegenden Geschäftszahlen stützen den optimistischeren Blick der Deutschen Bank tendenziell. Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2025/2026 steigerte TKMS den Umsatz um 10 Prozent auf rund 1,2 Milliarden Euro, das bereinigte EBIT legte um 14 Prozent zu bei einer Marge von 5,1 Prozent. Der Auftragsbestand wuchs um 13 Prozent auf 20,6 Milliarden Euro und unterstreicht die volle Auslastung der Werften über Jahre hinaus. Belastend blieb dagegen der operative Mittelabfluss: Der Free Cashflow lag bei minus 72 Millionen Euro. Bereits im Februar hatte das Unternehmen seine Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr von zuvor -1 bis +2 Prozent auf +2 bis +5 Prozent angehoben und das Margenziel von über 6 Prozent bekräftigt, mittelfristig peilt TKMS eine EBIT-Marge von mehr als 7 Prozent an.
Kurs erholt sich nach Rückschlag, Blick auf Q3-Bericht
Am Aktienmarkt hat sich TKMS nach einem schwächeren Handelstag wieder gefangen. Am Freitag schloss die Aktie bei 88,20 Euro, ein Rückgang von 2,11 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 7,96 Prozent, seit Jahresbeginn hat sich der Kurs um 33,23 Prozent verteuert. Der nächste größere Kurstreiber dürfte der Quartalsbericht sein: TKMS legt seine Zahlen für das dritte Quartal am 11. August vor. Anleger werden dabei besonders darauf achten, ob sich die im Februar angehobene Umsatzprognose und die Margenziele bestätigen lassen und wie sich der negative Free Cashflow aus dem ersten Halbjahr entwickelt hat.
Ein weiteres, eher am Rande diskutiertes Thema betrifft die IT-Sicherheit: TKMS und die Tochter Atlas Elektronik wurden Ende Juni auf einem Dark-Web-Portal von der Ransomware-Gruppe TheGentlemen als Opfer gelistet. Belastbare Details zu Umfang oder Auswirkungen eines möglichen Vorfalls liegen bislang nicht vor.
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