TKMS notiert bei 98,50 Euro und hat sich vom jüngsten Rekordhoch leicht entfernt. Wer nur auf den kleinen Rücksetzer schaut, verpasst die eigentliche Geschichte. Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs um 49 Prozent verteuert. Das ist die Zahl, die zählt – und sie lässt sich diesmal mit harten Fakten unterlegen, nicht nur mit Fantasie.

Zahlen, die die Rally stützen

TKMS hat seine Umsatzprognose zur Jahresmitte bereits zum zweiten Mal binnen sechs Monaten angehoben. Statt der ursprünglich erwarteten 2 bis 5 Prozent soll der Umsatz nun um 10 bis 12 Prozent wachsen. Das ist keine kosmetische Korrektur, sondern eine deutliche Verschiebung nach oben.

Die operativen Zahlen bestätigen den Trend. In den ersten neun Monaten stieg der Umsatz um 19 Prozent auf 1,89 Milliarden Euro. Das bereinigte EBIT kletterte um 13 Prozent auf 110 Millionen Euro und übertraf damit die Analystenschätzungen von rund 101 Millionen Euro deutlich.

Der eigentliche Kurstreiber liegt aber im Auftragsbuch. TKMS sitzt auf einem Auftragsbestand von rund 20 Milliarden Euro. Nach Quartalsende kam der Vertrag über vier Fregatten für die Deutsche Marine hinzu, mit einer Option auf vier weitere Schiffe. Der Iran-Krieg hat zudem etwas ausgelöst, das vor Monaten kaum jemand erwartet hätte: Anrainerstaaten des Persischen Golfs zeigen erstmals ernsthaftes Interesse an Minenräumtechnologie aus deutscher Fertigung.

Der wunde Punkt: der Cashflow

Wer die Rally kritisch hinterfragt, landet schnell bei einer Zahl, die aus der Reihe tanzt. Der freie Cashflow fiel nach neun Monaten auf minus 204 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor hatte TKMS noch plus 631 Millionen Euro ausgewiesen. Das Unternehmen begründet den Einbruch mit erwarteten Auszahlungen im Zuge der Vertragserfüllung – eine plausible Erklärung, aber keine, die man einfach abhaken sollte.

Der Grund: Die Ausschüttungspolitik hängt direkt daran. TKMS will grundsätzlich 30 bis 50 Prozent des Jahresüberschusses an Aktionäre ausschütten. Diese Zusage gilt aber nur, solange die Dividende durch den freien Cashflow gedeckt ist. Wer TKMS primär als Dividendenwert im Depot hält, sollte diese Bedingung nicht ignorieren.

Mein Fazit: Wachstumsstory, kein Schnäppchen

Wer TKMS heute kauft, kauft eine Wachstumsstory mit geopolitischem Rückenwind – keine unterbewertete Substanzaktie. Der Kurs notiert rund 20 Prozent über allen relevanten gleitenden Durchschnitten. Das zeigt, wie weit sich das Papier von seiner mittelfristigen Basis gelöst hat.

Solange die operativen Zahlen und der Auftragseingang die hohen Erwartungen weiter bestätigen, halte ich den jüngsten Rücksetzer für eine gesunde Konsolidierung. Von einer nachhaltigen Korrektur würde ich noch nicht sprechen. Die hohe Schwankungsbreite und der belastete Cashflow mahnen dennoch zur Vorsicht.

Die Bewertung lässt inzwischen kaum noch Raum für Enttäuschungen. Scheitert einer der erhofften Großaufträge aus Indien oder Brasilien, dürfte die Nervosität in dieser ohnehin schwankungsanfälligen Aktie schnell zurückkehren.