In einer Welt, die händeringend nach Lösungen für Ressourcenknappheit sucht, stehen zwei Unternehmen an vorderster Front: Tomra Systems und Befesa. Beide sind unverzichtbare Zahnräder in der globalen Kreislaufwirtschaft, doch an der Börse könnten ihre Wege derzeit kaum unterschiedlicher verlaufen. Während der eine als gefallener High-Tech-Engel kämpft, reitet der andere auf einer Welle industrieller Nachfrage. Für Anleger stellt sich die entscheidende Frage: Ist der Rücksetzer beim Marktführer eine Kaufchance oder bietet der zyklische Herausforderer das bessere Chance-Risiko-Verhältnis? Ein datengestützter Blick in die Bücher beider Konzerne.
Wer hat das Momentum auf seiner Seite?
Ein Blick auf die Kurstafeln am heutigen Mittwoch, den 11. Februar 2026, offenbart eine klare Stimmungslage. Die Aktie von Tomra Systems notiert bei rund 133,20 NOK und sucht weiter nach Bodenhaftung. Verglichen mit dem norwegischen Leitindex OBX, der sich im letzten Jahr positiv entwickelte, hinkt die „grüne Hoffnung“ deutlich hinterher. Der Markt straft die aktuelle Wachstumsschwäche im Recycling-Sektor gnadenlos ab.
Ganz anders das Bild bei Befesa. Der Spezialist für Industrieabfälle notiert bei robusten 32,06 EUR und strotzt vor Selbstbewusstsein. Im Gegensatz zu Tomra konnte Befesa den DAX und vergleichbare Indizes hinter sich lassen. Der Treibstoff für diese Rallye? Steigende Zinkpreise und eine ungebrochene Nachfrage aus der Stahlindustrie. Während Tomra also gegen den Strom schwimmt, lässt sich Befesa vom Markt treiben.
Technologie gegen Industrie: Die Geschäftsmodelle
Doch was verkaufen diese Unternehmen eigentlich genau?
Tomra Systems ist das „Gehirn“ der Kreislaufwirtschaft. Der norwegische Konzern setzt auf High-Tech-Sensoren und ist in drei Bereiche gegliedert:
* Collection Solutions: Die Cash-Cow des Konzerns. Hier geht es um Leergutrücknahmeautomaten, die weltweit in Supermärkten stehen. Mit 179 Millionen Euro Umsatz im letzten Quartal bleibt dies das Rückgrat.
* Recycling Solutions: Das Sorgenkind. Hier verkauft Tomra Sortiermaschinen für Abfallanlagen. Doch die Kunden halten sich mit Investitionen zurück, was den Umsatz zuletzt auf 40 Millionen Euro drückte.
* Food Solutions: Sensoren sortieren hier Lebensmittel statt Müll. Ein stabiler Anker mit 76 Millionen Euro Umsatz.
Befesa hingegen ist der „Muskel“ im Hintergrund. Das Unternehmen macht sich die Hände schmutzig, wo es für andere gefährlich wird:
* Stahlstaub-Recycling: Befesa nimmt Stahlwerken gefährliche Stäube ab und gewinnt daraus Zink zurück. Ein klassisches Win-Win-Modell: Das Stahlwerk wird sein Problem los, Befesa gewinnt Rohstoffe.
* Salzschlacken-Recycling: Ähnliches Prinzip, nur für die Aluminiumindustrie.
Der Unterschied ist gravierend: Tomra verkauft Maschinen und Technologie (Investitionsgüter), Befesa verkauft eine unverzichtbare Dienstleistung (Service).
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Zahlen-Check: Bewertung und Wachstum
Die fundamentale Diskrepanz wird in den Zahlen für das dritte Quartal 2025 und den aktuellen Marktdaten besonders deutlich. Hier prallen zwei Welten aufeinander: Hohe Bewertung bei sinkenden Gewinnen (Tomra) gegen günstige Bewertung bei explodierenden Gewinnen (Befesa).
Bewertungskennzahlen
| Metrik | Tomra Systems | Befesa |
|---|---|---|
| Marktkapitalisierung | ca. 3,3 Mrd. EUR | ca. 1,3 Mrd. EUR |
| KGV (TTM) | 32,33 | 14,38 |
| Kurs-Umsatz-Verhältnis | ~2,5 | ~1,0 |
Leistungskennzahlen
| Zeitraum | Tomra Systems | Befesa |
|---|---|---|
| Seit Jahresbeginn (YTD) | -3,38 % | +10,17 % |
| 1 Jahr | -19,53 % | +52,44 % |
Finanzielle Stabilität
| Metrik | Tomra Systems | Befesa |
|---|---|---|
| Nettoverschuldung/EBITDA | 1,80 | 2,59 |
| Eigenkapitalrendite (TTM) | 17,82 % | 11,29 % |
Wachstumsindikatoren (Q3 2025 vs. Vorjahr)
| Metrik | Tomra Systems | Befesa |
|---|---|---|
| Umsatzwachstum | -6,0 % | -1,2 % |
| Bereinigtes EBITDA-Wachstum | -31,8 % | +26,7 % |
| EPS-Wachstum (bereinigt) | -28,6 % | +333,0 % |
Die Tabelle spricht eine deutliche Sprache: Befesa ist aktuell wesentlich günstiger bewertet und wächst beim Gewinn massiv, während Tomra trotz Gewinnrückgangs immer noch eine sportliche Bewertung aufruft.
Treiber und Bremsen: Was bewegt die Kurse?
Für Anleger von Tomra Systems wird es bereits übermorgen spannend. Am 13. Februar 2026 legt das Unternehmen seine Zahlen für das vierte Quartal vor. Alle Augen richten sich auf das angekündigte Sparprogramm: 16 Millionen Euro sollen jährlich eingespart werden, rund 175 Stellen fallen weg. Kann der Konzern damit die Margen stabilisieren? Die langfristige Fantasie bleibt intakt – neue Pfandsysteme in Polen und Portugal könnten die Auftragsbücher bald wieder füllen. Ein Hoffnungsschimmer: Insider haben in den letzten drei Monaten Aktien zugekauft, was auf Vertrauen in den Turnaround hindeutet.
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Bei Befesa herrscht dagegen Goldgräberstimmung. Das dritte Quartal 2025 war ein Paukenschlag: Der Nettogewinn vervierfachte sich nahezu (+318 %). Der Grund? Ein perfekter Sturm aus hohen Zinkpreisen und guter Auslastung. Cleveres Hedging (Preisabsicherung) sichert diese Margen bis ins erste Quartal 2026 ab. Auch hier griffen Insider zu: Ende 2024 deckte sich CEO Asier Zarraonandia Ayo mit Aktien ein – ein starkes Signal an den Markt. Analysten blasen mehrheitlich ins selbe Horn und raten zum Einstieg.
Chancen und Risiken im Schlagabtausch
Doch wie sieht das Risikoprofil aus?
Tomra Systems:
* Das Risiko: Die Abhängigkeit von der Investitionslaune der Kunden ist die Achillesferse. Wenn Recyclingfirmen wegen billigem Neuplastik nicht in Sortieranlagen investieren, leidet Tomra. Zudem hängt viel an politischen Entscheidungen über neue Pfandsysteme.
* Die Chance: Tomra ist technologisch unangefochten. Sobald der Zyklus dreht und weltweit neue Pfandmärkte live gehen, dürfte der Hebel auf den Gewinn enorm sein.
Befesa:
* Das Risiko: Befesa hängt am Tropf der Stahl- und Aluminiumkonjunktur. Eine globale Rezession würde die produzierte Menge an Stahlstaub reduzieren. Auch wenn Zinkpreise abgesichert sind, bleibt die langfristige Rohstoffabhängigkeit bestehen.
* Die Chance: Der Megatrend Dekarbonisierung spielt Befesa in die Karten. Die Stahlproduktion wandert zunehmend hin zu Elektrolichtbogenöfen (EAF) – genau dort fällt der Staub an, den Befesa recycelt. Strengere Umweltauflagen weltweit sind quasi eine Umsatzgarantie.
Fazit: Wer gewinnt das Depot-Duell?
Am Ende ist es eine Frage der Anlegerphilosophie.
Tomra Systems ist die Wette auf den „Fallen Angel“. Wer hier einsteigt, glaubt an die langfristige Unausweichlichkeit der Kreislaufwirtschaft und sieht die aktuellen Probleme als temporäre Delle. Die Aktie ist teuer, aber qualitativ hochwertig. Es ist ein Kauf für Geduldige, die darauf setzen, dass der Marktführer gestärkt aus der Kosteneffizienz-Phase hervorgeht.
Befesa ist die Wahl für den pragmatischen Value-Investor. Das Unternehmen liefert hier und heute: Starke Cashflows, eine günstige Bewertung und Rückenwind durch Rohstoffpreise. Wer auf greifbare Ergebnisse und Dividendenpotenzial setzt, findet hier das attraktivere Paket.
Während Tomra noch beweisen muss, dass die Talsohle durchschritten ist, läuft Befesa bereits auf Hochtouren. Kurzfristig scheinen die Karten für den Industrie-Recycler besser gemischt zu sein.
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