Trulieve-Chefin Kim Rivers meldet sich zu Wort. Ihr Thema: eine Personalie im Weißen Haus. Der Grund: Diese Personalie könnte über die Zukunft der US-Cannabisbranche mitentscheiden.
Rivers äußerte sich öffentlich zu Präsident Trumps Nominierung für einen wichtigen Posten bei der US-Arzneimittelbehörde FDA. Die Kandidatin heißt Dr. Heidi Overton. Sie war bereits in die bisherige Umstufungspolitik der Regierung eingebunden.
CEO lobt Overtons Rolle bei der Umstufung
Rivers reagierte nur wenige Stunden nach der Nominierung durch Trump. Sie hob Overtons frühere Rolle bei der Umstufung bestimmter medizinischer Cannabisformen in Schedule III hervor. Diese Einstufung würde die Substanzen aus der strengsten Drogenkategorie der USA herausnehmen.
Overton hatte bei einem Termin im Oval Office am 23. April die geplante Maßnahme öffentlich als „großen Schritt zur Umsetzung des Versprechens“ bezeichnet. Sie betonte damals, die Politik solle vor allem die Forschung an medizinischem Cannabis erleichtern.
Rivers‘ Unterstützung zeigt, wie genau Trulieve als größter Medizinalcannabis-Betreiber der USA personelle Entscheidungen in Washington verfolgt. Die Aussagen der CEO wurden zuerst vom Fachmedium The Marijuana Herald veröffentlicht.
Die Umstufung bleibt der entscheidende Hebel
Die FDA-Nominierung fällt in eine heiße Phase des föderalen Umstufungsprozesses. Die US-Drogenbehörde DEA schloss ihre formelle Anhörung zur Verlegung von Cannabis von Schedule I nach Schedule III am 15. Juli 2026 ab – nach elf Tagen Zeugenaussagen. Der zuständige Verwaltungsrichter Derek Julius setzte den 17. August als Frist für abschließende Schriftsätze aller Parteien.
Nach Ablauf dieser Frist gibt Julius eine Empfehlung an die DEA-Verwaltung ab. Die finale Entscheidung trifft aber weiterhin der DEA-Administrator allein.
Trulieve profitiert bereits von einem früheren, kleineren Schritt in diese Richtung. Im April stufte Justizminister Todd Blanche staatlich lizenziertes Medizinalcannabis in Schedule III um. Das US-Finanzministerium bestätigte daraufhin, dass die als besonders belastend geltende Steuerregel 280E ab 2026 nicht mehr für lizenzierte Betreiber gilt. Im Quartalsbericht bestätigte das Management, dieser Wegfall habe den Nettogewinn und den Cashflow direkt gestärkt.
Branchenanwälte warnen jedoch vor zu viel Euphorie. Schedule III bedeutet keine Legalisierung auf Bundesebene. Die Umstufung würde vor allem die Steuerlast durch den Wegfall von Paragraf 280E senken, den Zugang zu Forschung verbessern und die regulatorische Haltung des Bundes gegenüber der Branche entschärfen. Wann die DEA nach der Richterempfehlung tatsächlich final entscheidet, steht weiterhin nicht fest.
Aktie nahe mehrmonatigem Hoch
Die Trulieve-Aktie ist zuletzt deutlich gestiegen. Am jüngsten Handelstag pendelte der Kurs zwischen 9,30 und 9,75 US-Dollar, zuletzt notierte die Aktie bei 9,56 Dollar. Das entspricht einem Plus von 2,8 Prozent gegenüber dem Tagestief.
Der Blick auf die vergangenen zwölf Monate zeigt die Schwankungsbreite: Die Spanne reicht von einem Tief bei 4,62 Dollar bis zu einem Hoch von 13,28 Dollar. Diese Volatilität begleitet die politische Debatte um die Umstufung bereits seit Monaten.
Weitere Unternehmensmeilensteine
Die Umstufungsdebatte trifft auf ein Unternehmen, das zuletzt mehrere Etappenziele erreicht hat. Im Juni feierte Trulieve mit einer Closing-Bell-Zeremonie den Handelsstart an der New York Stock Exchange – als erstes US-Cannabisunternehmen überhaupt. Parallel dazu vollzog der Konzern eine Sitzverlegung: Aktionäre stimmten am 5. August 2026 zu, der Oberste Gerichtshof von British Columbia erteilte am 10. August die finale Freigabe, und am 11. August war der Umzug nach Delaware abgeschlossen.
Operativ meldete Trulieve für das zweite Quartal einen Umsatz von 271 Millionen Dollar, wovon 94 Prozent aus dem Einzelhandel stammten. Die Bruttomarge lag bei 60 Prozent, der GAAP-Bruttogewinn bei 162 Millionen Dollar. Im ersten Halbjahr 2026 erwirtschaftete das Unternehmen einen operativen Cashflow von 109 Millionen Dollar und beendete das Quartal mit 325 Millionen Dollar in der Kasse.
Die Schriftsätze zur DEA-Anhörung sind nun eingereicht, die Entscheidung des Administrators steht aus. Für Trulieve-Investoren bleiben die Personalentscheidungen der Trump-Regierung damit ein zentraler Beobachtungspunkt – gerade weil jedes Signal zur Umstufung direkt die Steuer- und Compliance-Kosten des Unternehmens berührt.
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