Der Logistikriese United Parcel Service steckt in der Krise. Zuerst platzt die strategisch wichtige Übernahme in Mexiko, dann zieht eine bedeutende Investmentbank die Notbremse und stuft die Aktie herab. Die Begründung der Analysten trifft UPS ins Mark: Die erhoffte Erholung der Nachfrage bleibt aus – und zwar genau dort, wo das Unternehmen sein Geld verdient.

Analysten schlagen Alarm

BMO Capital Markets entzog UPS am Freitag das „Outperform“-Rating und stuft die Aktie jetzt nur noch als „Market Perform“ ein. Die Begründung liest sich wie eine Abrechnung mit der gesamten Branchenstrategie: Die Nachfrageerholung im B2B-Segment bleibe „elusiv“ – also schwer fassbar. Makroökonomische Herausforderungen würden durch sich wandelnde US-Handelspolitik noch verschärft.

Doch damit nicht genug: Selbst die internen Rettungsmaßnahmen kommen nicht voran. Die erwarteten Kosteneinsparungen aus der Netzwerk-Restrukturierung stellen sich langsamer ein als geplant. Ein vernichtendes Urteil für ein Unternehmen, das dringend jeden Cent braucht.

Strategischer Rückschlag in Mexiko

Die Analysten-Enttäuschung folgte auf einen herben strategischen Rückschlag. Erst am Donnerstag musste UPS offiziell eingestehen: Die Übernahme von Mexikos Paketdienst Estafeta ist gescheitert. Die bereits im Juli 2024 angekündigte Transaktion wurde beerdigt, weil nicht alle Bedingungen erfüllt werden konnten.

Das Fiasko kommt zur denkbar ungünstigsten Zeit. Gerade jetzt, wo viele Unternehmen ihre Lieferketten näher an die USA verlagern (Nearshoring), hätte die Mexiko-Expansion UPS einen strategischen Vorteil verschaffen können. Stattdessen bleibt das Unternehmen außen vor.

Fundamentale Probleme statt kurzfristiger Rückschläge

Diese jüngsten Entwicklungen sind keine Einzelfälle, sondern Symptome tieferliegender Probleme. Bereits im Juli musste UPS die Jahresprognose zurückziehen und verfehlte die Erwartungen im Q2. Die Aktie notiert nahe ihrem 52-Wochen-Tief und hat seit Jahresbeginn über 40% an Wert verloren.

Die Konzernführung setzt nun alles auf eine Karte: Ein drastisches Sparprogramm über 3,5 Milliarden Dollar soll die Rettung bringen. Dutzende Standortschließungen und Personalabbau sind die bittere Medizin für ein Unternehmen, das nach Wachstum dürstet.

Die entscheidende Frage wird sein, ob UPS mit seinem Kostensparprogramm schneller ist als der anhaltende Nachfrageeinbruch. Die nächsten Quartalszahlen werden zeigen, ob der Logistikriese die Trendwende schafft – oder weiter in der Abwärtsspirale gefangen bleibt.